Ich bereue. Vor noch ein paar Wochen - ist es erst so lang her? - hätte ich über meine Worte gelacht. Aber jetzt, jetzt und hier, in diesem dunklen Loch, tief unter der Erde, da bereue ich. Zu spät. Ratten sind meine Nachbarn und einmal habe ich eine Fledermaus gehört... Ja, gehört, sie geben einem in diesem verdammten Dreckloch kein Licht außer - und auch das nur für begrenzte Zeit- eine widerlich grün schimmernde Pflanze, eine Art Moos. Ein Schimmer, mehr ist es nicht, und auch das sehen sie nicht gern. Anfangs habe ich sie verflucht, aber jetzt... Jetzt bereue ich meine eigene Dummheit, die mich hierher geführt hat - verfluchte Neugier! Und selbst Reue ist hoffnungslos. Hier.

Ich bereue. Bereue, dass ich nicht auf all jene Warnungen, die Geschichten und Gerüchte hören konnte! Hoffentlich reicht das Leuchten diesmal, um all das aufzuschreiben. Und dabei frage mich ununterbrochen, warum ich es überhaupt noch versuche. Ich werde hier sterben, hier, in einem feuchten, lichtlosen Loch, ohne Hoffnung, kein Entkommen. Nachts - das sind jene Stunden, in denen meine Pflanze hier nicht leuchtet- nachts, da höre ich sie manchmal, wie sie die Zellen entlang gehen. Sie wollen, dass ich sie höre, ihre Schritte, gerade hörbar, zermürben meinen Verstand. Genau das wollen sie - ich weiss, dass sie von Natur aus lautlos sind- ihre Schritte, unnatürlich laut, hallen in meinen Ohren.

Ich bereue: Ich habe es einfach nicht geglaubt, das ist mein Fehler. Nicht geglaubt, dass all diese Geschichten wahr sind, habe alle Warnungen in den Wind geschlagen! Ich Narr.

Da. Ich höre einen von ihnen. Die Fingernägel streichen wie Krallen über die Wand... Zwei rotglühende Punkte starren mich an, ihre Augen. Sind es ihre Augen? Ich wage nicht, nach ihr zu fragen. Ich schaue nicht auf, starre auf meine Schrift, jede Sekunde mit dem spärlichen Licht ist kostbar. Ich weiß gar nicht mehr, wie sich die Sonnenstrahlen auf der Haut anfühlen, Wind im Haar oder der Regen... was würde ich dafür geben, all das noch einmal zu spüren, ein einziges Mal nur...

Ich bereue meine Schwäche und zugleich ahne ich, nein weiss ich, dass diese lichtlose Hoffnungslosigkeit jeden vernichtet hätte, jetzt oder einem Jahr, was spielt es für eine Rolle? Hunger, Durst, die klamme Feuchtigkeit, der Gestank des eigenen Körpers: all das habe ich früher schon erlebt und überstanden. Was auf meiner Seele, auf Verstand und Herz lastet, sind die unzähligen Tonnen Gestein über mir, die mich einschließen, ersticken, erdrücken, betäuben... Und sie, die dort draussen schleichen, deren rotglühende Augen mich höhnisch anstarren, die hier eins sind mit Dunkelheit und Stille.

Ich bereue. Meine Fehler - nicht wieder zu berichtigen- die mich hierher geführt haben, aber ich weiss jetzt, warum ich noch schreibe. Ich will all dies erzählen, damit -vielleicht- irgend jemand es findet und darin eine Warnung sieht. Die Warnung, das Neugier und Ruhmessucht irgendwann tödlich sind! Die Warnung, die ich in den Wind geschlagen habe, so oft, und die mich hätte retten können vor all dem hier. Und selbst wenn eine andere, gefangene arme Seele es erst hier in ihrem Kerker und Grab findet, beim Schein einer stinkenden, kranken und widernatürlichen Pflanze, dann soll es ihr zumindest Trost sein - sie ist mit ihrem Schicksal nicht allein.

Ich erzähle also, was mich zu diesem Fehler führte: Es war eine Faszination, die mich nicht wieder losließ seit ich sie einmal geschmeckt hatte. Ich wollte mehr davon, wollte sie in mich aufsaugen... Zuvor sei gesagt: ich bin Barde und Geschichtenerzähler, meine Neugier ist sozusagen mein Beruf. Ich höre die Geschichten der Leute und lerne, erzähle weiter, schmücke aus, lasse weg, dichte, singe, reise... - ich merke, wie ich abschweife und in den Erinnerungen bade, die ich nie wieder aufleben lassen kann...

Das erste Mal, dass ich von ihnen hörte, war -bezeichnenderweise- bei den Elfen. Ich war lange durch die Wälder gereist, um zu jener kleinen Sippe Waldelfen zu gelangen und lebte schon fast einen Monat bei ihnen, als der Älteste eines Nachts, beim Schein des Lagerfeuers, über sie erzählte. Nicht nur für mich waren die Geschichten über sie neu, auch viele der jungen Elfen hatten noch nicht von ihnen gehört. "Dunkle Brüder aller Elfen" nannte der Älteste sie. Verdorben bis ins Mark, einst, vor fast zweitausend Jahren, von der Oberfläche unserer Welt verbannt und für immer gezeichnet: Ebenholzfarbene Haut, Silberhelle Haare und die Augen: ewig in einem schwelenden Feuer des Zorns und Hasses glühend - in jenem vielschichtigen Rot, das mich beim ersten Anblick schon faszinierte. Aber ich schweife ab. Diese verdorbenen Verwandten der Elfen nannte der Älteste nur einmal bei ihrem Namen. Leise, verstohlen um sich blickend, als fürchtete er, allein ihr Name könnte ihre verfluchte Anwesenheit heraufbeschwören, flüsterte er den Namen, der mir immer noch Schauer der Angst über den Rücken jagt: Drow.

Der Name, die Gerüchte, die Geschichten, die aus Furcht stets nur geflüstert wurden, all dies lies mich nicht mehr los. Schon bald verließ ich die Waldelfen, von einer Unruhe und Neugier getrieben, die ich damals noch nicht fassen oder benennen konnte. Ich zog durch das Land, immer weiter und erst später, wohl nach ein halbes Jahr nachdem ich die Waldelfen verlassen hatte, erkannte ich, wonach ich suchte. Im Herzen war mein Entschluss gefasst: Ich wollte mehr erfahren über diese dunklen Elfen, über sie berichten und so unsterblichen Ruhm ernten! Ich hatte ja schon andere Gefahren überstanden, warum nicht auch diese? Ich Narr. Ich elender, törichter, blinder Narr.

Ich spüre ihre Anwesenheit, sie stehen dort, in der Finsternis vor meiner Zelle, und beobachten mich. Natürlich kann ich sie weder sehen noch hören, das kann niemand, wenn sie es nicht wollen, aber ich fühle ihre Bösartigkeit ganz nah. Da wo man bei den wunderbaren Elfen der Oberfläche Leben und Schönheit wie eine nie enden wollende herrliche Musik fühlt und unwillkürlich mitgerissen wird von dieser zeitlosen Heiterkeit, da spürt man bei den Drow nur den dumpfen, bösen Hauch von Lloth, dem Spinnendämon, ihrer Göttin. Ihr ganzes Leben und Sterben, ihre Gesellschaft, ja sogar die Sprache sind auf ihre Göttin ausgerichtet. Eines ihrer Sprichworte ist "Neugier ist Tod". Hätte ich es nur gekannt und ernst genommen, bevor ich mich ihnen ausgeliefert hatte! Ich säße nicht hier und würde zu allen mir bekannten Göttern beten, dass wenigstens mein Licht hier mich noch nicht verlässt. Die Pflanze bleibt immer länger dunkel.

Auf meinen Reisen hatte ich immer wieder nach ihnen gefragt, Gerüchte gesammelt wie kostbare Steine, ließ mich von den Geschichten mal hierhin, mal dorthin treiben und als ich endlich zum ersten Mal einen von ihnen sah, war ich fast enttäuscht. Im hellen Tageslicht blinzelnd stand sie da, fast zwei Köpfe kleiner als ein normaler Mensch. Auch mich wirkte sie nicht gefährlich oder böse, eher verloren. Die dunkle Haut, das silberne Haar, die roten Augen, geblendet vom Licht, all das stimme, sie war eine Drow, aber hier, an der Oberfläche, allein in einer Stadt der Menschen, wirkte sie fast hilflos. Als ich sie vorsichtig grüßte, zuckte sie zusammen, ihre Augen fixierten mich. Ihre Hand war schneller zu ihrer Klinge geglitten als ich es je für möglich gehalten hätte, aber angesichts ihrer geringen Größe und der schlanken Klinge, die auf mich wirkte wie ein Kinderspielzeug, sah ich darin keine Gefahr. Ich lächelte ruhig, versuchte, wie immer, wenn ich jemanden um seine Geschichte bat, freundlich zu wirken. jetzt weiss ich: sie hätte mich auf der Stelle aufschlitzen können, allein die Wachen der Stadt und ihre Überzahl hielten sie davon ab. Ich trug ihr, leise und behutsam, mein Anliegen vor während ihre beunruhigenden Augen mich die ganze Zeit über musterten. Als ich geendet hatte, spuckte sie mir verächtlich vor die Füße und wendete sich ab. In einem einzigen Augenblick sah ich meine rasch aufgeblühten Hoffnungen und hoch gesteckten Erwartungen schwinden, vielleicht erklärt das meine nachfolgende Verzweiflungstat. Ich fasste sie an der Schulter und hielt sie zurück. Sie wirbelte herum, die Klinge schon halb gezogen, aber da hielt ich mir schon mit einem beschwichtigenden und, das muss ich gestehen, fast überheblichen Lächeln meinen eigenen Dolch an die Kehle. "Wir wollen doch keine Aufmerksamkeit erregen", sagte ich und deutete auf ihre Klinge und dann auf meinen Dolch. "Die Wachen werden nicht viel Geduld mit Euch haben... Was würden sie wohl tun, wenn ich hier, verwundet von einem Dolch, vor Euch zu Boden ginge?". Ich weiß noch, wie es mich überraschte, als ich ihre Augen plötzlich zornig hellrot aufflammen sah: ich hatte es für dumme Geschichten gehalten, dieses intensive Glühen, wie feurige Kohlen. Aber sie ließ ihre Klinge, wo sie war und entspannte sich etwas. Sie verschränkte mit einem Nicken die Arme, eine Geste, die mich zunächst verwirrte. Jetzt erinnere ich mich, dass es eine Geste für Friedfertigkeit war, die auch viele der alten Zwergenstämme, die oft tief unten im Berg leben, gebrauchen. Ich bedeutete ihr, nicht ohne einen gewissen Stolz und das berauschende Gefühl, die Oberhand zu haben, mir zu folgen. In einer dunklen Taverne, im Südteil der Stadt, nahmen wir Platz, ich bestellte Wein für uns beide. Meine neue Selbstsicherheit bekam erste Risse, als sie ihren vollen Weinbecher mit einem bösen Grinsen einfach umdrehte, so dass der -teure- Wein durch die rohen Bretter des Tisches auf den Lehmboden tropfte und mich höhnisch angrinste. Seltsamerweise verspürte ich keine Empörung deswegen oder gar Furcht in diesem Moment. Ihr Gesicht faszinierte mich und auf eine eltsame, fremdartige Art und Weise fand ich sie schön

Ich fürchte um mein Licht. Die Pflanze hat nur kurz geleuchtet, dann war sie wieder dunkel für lange, angsterfüllte Stunden. Jetzt leuchtet sie wieder und ich wage nicht, die kostbare Zeit mit etwas anderem als Schreiben zu vergeuden. Sind sie wieder dort draußen und beobachten mich? Manchmal frage ich mich, warum sie mir überhaupt noch diese für menschliche Zungen kaum zu ertragende Brühe vorsetzen und mich nicht schlicht verhungern lassen. Und dieses Starren in der Dunkelheit, dieses leise Zischen, als würden sie über mich flüstern, verhandeln, was zu tun ist. Diese Ungewissheit ist fast so schlimm wie die Dunkelheit. Oh Götter, ich wünschte, ich hätte die Macht, meinem Leben hier ein schnelles Ende zu setzen.

In der Taverne, als ich sie aufmerksam beobachtete, fühlte sie sich sichtlich unwohl, aber ich war dankbar für diesen kleinen Vorteil für mich. Ich hoffte nur, dass würde sie nicht am Erzählen hindern.

Sie lehnte sich zurück und ich konnte ihr Gesicht nur noch erahnen während ich ihr, eindringlicher diesmal, mein Anliegen vortrug. Plötzlich war ich es, der sich unwohl fühlte, unter dem Blick dieser Augen. Als ich geendet hatte, herrschte lange Zeit Schweigen zwischen uns und ich war mir nicht sicher, wie sie reagieren würde. Endlich brach sie das Schweigen: "Meine Geschichte willst du hören, rivvil... - Mensch?" Ihr rauhes Flüstern war in der Taverne nur schwer zu verstehen und dieser fremde, zischende, kehlige Akzent überraschte mich. Ich nickte. Ihr leises Kichern ließ mich unruhig auf meinem Stuhl herum rutschen. "Meine Geschichte ist weder besonders noch schön, Narr. Du wirst keine Freude haben, damit anzugeben." Das leise warnende Knurren aus ihrer Kehle machte mich nur neugieriger und ich nickte aufmunternd. Vielleicht wütend wegen meiner Hartnäckigkeit zischte sie: "Gut, ich werde dir erzählen, was du wissen willst, aber du wirst bezahlen!" Auch hier nickte ich stumm: Dass die Leute ein wenig Geld für eine Geschichte verlangten, war kein Einzelfall. Ich Narr, spätestens zu dem Zeitpunkt hätte ich gehen sollen, fliehen, so schnell ich konnte.

Ich vermisse meine Laute. Besonders in den dunklen, stillen Stunden der Nacht wünschte ich, sie hätten sie mir gelassen. Manchmal, im Traum, erinnere ich mich an meine verlorenen Melodien und Lieder, aber zu singen wage ich hier nicht, denn dann sind sie sofort da. Ich fürchte die Schmerzen, die sie bringen.

"Mein Name", flüsterte sie, "ist TinTamarra. Ich stamme aus Menzoberranzan, der glorreichen Stadt Lloths."

Sie beobachtete mich genau bei dieser Einführung, als erwarte sie eine Reaktion, ich aber schwieg und schließlich fuhr sie fort.

"Die adeligen Häuser regieren in Menzoberranzan und Lloth herrscht über die Häuser, sie sind ihr lebendiger Wille. Ich komme aus der Unterstadt, wo der Abschaum wohnt: die Fremden, Nicht- Drow, die Ärmsten der Hauslosen. Von dort komme ich."

Ihre Stimme war zu einem warnenden Knurren geworden, ich wagte nicht, sie jetzt zu unterbrechen.

"Ich kann mich nicht an meine Mutter erinnern und wer mein Vater war, interessiert mich nicht. Ich habe dort überlebt, das allein zählt. Sobald ich alt genug war ein Schwert zu halten, bin ich zu den Söldnern gegangen. Das Leben bei ihnen ist hart und oft nur kurz, denn Menzoberranzans Häuser brauchen immer wieder neue Krieger, die sie in den endlosen Kämpfen untereinander verbrauchen können. Aber ich hielt alles für besser, als im Dreck der Unterstadt zu verfaulen.. Ich kann nicht sagen, warum ich überlebte. Noch bevor ich erwachsen war, hatte ich mehr Schlachten geschlagen, als du besingen kannst, Mensch! Ich war keine bessere Kämpferin als die anderen, die an meiner Seite fielen, und oft stand es auf Messers Schneide. Vielleicht war es mein Kampfeswille oder mein Mut, die mich überleben ließen, aber das halte ich für unwahrscheinlich. Ich glaube, es war Schicksal, Lloths Wille oder, wie du es nennen würdest, der du Lloths Pracht nicht kennst: Glück. Ich kann nicht sagen, warum ich überlebte. Ich habe nie um die Vergangenheit, um gefallene Kameraden oder Niederlagen getrauert, warum auch? Ich lebte und kämpfte für den Augenblick, noch heute halte ich es so und ich rechne damit, dass ich auch so sterbe. Wer so lange die Kämpfe überdauert, der fällt auf, irgendwann. So bekam ich, kaum erwachsen geworden, das Kommando über eine Gruppe Krieger. Das Risiko wurde so für mich größer, denn Anführer sind immer ein begehrtes Ziel, aber mein Leben zwischen den Kämpfen wurde angenehmer; ich hatte Sklaven."

Die Offenheit und Klarheit, mit der sie all das erzählte, fand ich ungewöhnlich. Normalerweise versuchten die Leute, zu erklären, zu entschuldigen oder sich zu rechtfertigen. Bei ihr hatte ich das Gefühl, dass sie nichts bereute.

Heute habe ich neues Licht bekommen. Der unglückliche, halbnackte Dunkelelfensklave, der mir die Pflanze brachte, starrte mich die ganze Zeit über voller Angst und etwas, dass ich als Bewunderung oder Neid bezeichnen würde, an. Ich bekam auch besseres Essen: es schmeckte ebenso widerlich wie die Brühe vorher, aber es war warm und Fleisch schwamm darin. Nun, gesättigt und müde, habe ich Schwierigkeiten, die Augen offen zu halten.

Die Taverne begann langsam, sich zu füllen, je näher der Abend rückte und so machte ich den Vorschlag, dass wir uns in den nahegelegenen Park, südlich der Stadthalle, zurückzuziehen - ein weiterer Schritt, der mich meinem Ende hier näherbrachte. Dort nahm ich auf einer der hölzernen Bänke Platz, sie ging vor mir auf und ab und ich war mir nie ganz sicher, wo in der Dunkelheit sie war.

"Ich gewann an Ansehen bei den Söldnern", fuhr sie fort, "meine Truppen standen in dem Ruf, effizient zu sein und ich brachte immer mehr als die Hälfte meiner Krieger lebend durch die Kämpfe. So bekam ich ein festes Kommando und musste in der Schlacht nicht mehr meinen eigenen Hals riskieren... . Jetzt kann ich sagen, dass diese Tage damals herrlich für mich waren: der Nervenkitzel der Kämpfe, der Jubel danach, keine Trauer um die Toten, denn sie hatten versagt.

Aber alles wurde anders, als die Matrone von Xorlarrin uns anwarb. Oh, bei Lloth, wie groß war mein Stolz, für das fünfte Haus zum Thron von Menzoberranzan zu kämpfen! Gleichzeitig wusste ich natürlich, dass dieser Kampf härter sein würde als alle zuvor, denn die Krieger, Magier und Priester der ranghöheren Häuser waren mächtiger und besser.

Im Grunde war der Auftrag einfach: Wir sollten eine kleine Gruppe, die, wie die Spione Xorlarrins berichteten, einen Hinterhalt auf einen Teil von Xorlarrins Truppen plante, unsererseits angreifen und vernichten. Keine Gefangenen, zahlen- und kräftemässig waren wir ungefähr gleich stark, aber wir hatten den Vorteil der Überraschung auf unserer Seite. Wir griffen nachts an, als das Glühen von Narbondel, dem gewaltigen magischen Stalagtiten, der den Dunkelelfen Menzoberranzans ein Zeitmesser ist, eben erloschen war. Aber schon zu Beginn hatte ich ein schlechtes Gefühl. Meine Krieger waren nervös und konzentrierten sich nicht voll auf den bevorstehenden Kampf, wie es sein sollte. Wir machten Fehler. Nichts Schlimmes, aber ich fühlte, dass es nicht gut gehen würde. Schon überlegte ich, den Angriff auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, aber da war es schon zu spät. Irgendwie wurden wir bemerkt und es entbrannte ein harter Kampf. Ich verlor meinen zweiten Kommandanten durch einen verirrten Armbrustbolzen und kürzte sein qualvolles Ringen mit dem Gift durch meinen Dolch ab. Die eigentliche Schlacht tobte um uns her, noch bevor wir uns neu formieren konnten, der Rückzug war nicht möglich und so befahl ich den Angriff!"

Unwillkürlich ballte sie die Fäuste bei der Erzählung und ihre Stimme hallte zornig durch die Nacht.

"Ich weiss nicht mehr viel von der Schlacht. Ich sah meine Leute um mich herum fallen, einen nach dem anderen, meine Pläne, meine Zukunft. Ich sah, dass ich keinen mehr retten konnte, dass uns keine Wahl blieb, als zu sterben. Und da vergaß ich alles um mich herum, ich hatte nichts mehr zu verlieren und zu gewinnen sah ich auch nichts mehr. Einzig und allein wichtig war nur noch, dass ich tötete. Meine Klinge sirrte schnell und tödlich durch die Luft, durchbohrte Rüstungen und trank Blut. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich selbst getroffen wurde oder wie viele ich tötete und es war mir egal. Ich erinnere mich an nichts mehr danach. Die Welt war für mich eine einzige verwirrende Aneinanderreihung von Bildern, die ich nicht begriff. Ich merkte aber, wie mich dieser Kampf veränderte. Irgend etwas in mir starb damals auf dem Schlachtfeld und an seine Stelle trat ein reiner, wilder Durst nach Blut und Tod.

Als ich wieder zu mir kam, da kniete ich vor den Toren des Xorlarrin- Anwesens, Bewaffnete hielten mich und ich roch den intensiven Gestank von Blut. Die Schlacht schien zu Ende zu sein, aber die ganze Zeit über hörte ich ein wildes Fauchen und Knurren. Erst Augenblicke später wurde mir bewußt, dass ich das war. Beschämt wollte ich innehalten, aber weder mein Körper, der sich verzweifelt gegen die Bewacher wehrte, noch meine Kehle ließen sich irgendwie kontrollieren."

Im Verlauf ihrer Erzählung war sie ruhiger geworden und jetzt klang ihre Stimme fast schmerzerfüllt. Ich selbst war überrascht von der Erzählung: Ihre Kampfeswut schien der der nordischen Barbaren und Berserker zumindest ähnlich zu sein, wie aber passte das in das Bild, das ich mir von den Drow als zwar exzellente, aber eher überlegte Kämpfer gemacht hatte? Gleichzeitig beschlich mich eine unbestimmte Angst: ob vor ihr oder den Drow und ihrer Grausamkeit im Allgemeinen, ich weiß es nicht mehr.

Heute haben sie mir Wasser in einem großen Zuber und frische Kleidung gebracht. Zusammen mit dem reichlichen Essen, das sie mir jetzt neuerdings bringen, gibt mir ihr Verhalten ein immer größeres Rätsel auf. Irgend etwas haben sie noch mir vor und ich bin mir sicher, dass es nicht angenehm für mich wird.

Ich betrachtete sie nachdenklich, wie das Mondlicht in ihren Haaren schimmerte und sie in ihre Erzählung versunken zu sein schien. Sie legte nachdenklich den Kopf schief und begann dann wieder, unruhig vor mir auf und ab zu gehen. Mir schien es fast, als hätte sie mich ganz vergessen.

"Das war damals das erste Mal, dass ich so die Kontrolle verloren habe und war innerlich tief beschämt über meinen Mangel an Selbstbeherrschung. Trotz meiner Gegenwehr, des ganzen Blutes und des Knurrens aus meiner Kehle hielten sie mich eisern fest und ich erinnere mich, wie hilflos ich mich fühlte. Ich verstand nicht, warum sie mich nicht einfach töteten, verstand nicht, warum ich nicht einmal die Kontrolle über mich selbst hatte und nicht, was in der Schlacht mit mir geschehen war. Dann sah ich die Mutter Oberin Xorlarrin sich nähern, eiskaltes Entsetzen ergriff mich, ich hatte noch nie eine Matrone von so nah gesehen. Mein Knurren wurde immer leiser, als sie sich langsam über mich beugte und mich betrachtete, ob mit Ekel oder Interesse, das vermag ich nicht zu sagen. Meine Muskeln erlahmten vor Angst und -endlich- bekam ich die Kontrolle über meine Gliedmaßen zurück. Erfüllt von Ehrfurcht drückte ich mich vor ihr in den Staub, ich war sicher, nun für mein Versagen sterben zu müssen. Sie aber lachte nur und erst nach einigen endlosen Augenblicken begriff ich, dass dieses spöttische Lachen mir galt."

Bei ihren letzten Worten blickte TinTamarra mich an, zornig und anklagend, als trüge ich die Schuld an alledem. Ich nickte ihr vorsichtig aufmunternd zu, denn ich wollte erfahren, wie ihre Geschichte weiterging. Ihre Augen verengten sich plötzlich zu schmalen schlitzen und erst jetzt bemerkte ich den Dolch in ihrer Hand. Überrascht hob ich abwehrend die Hände, aber da war sie schon über mir und fühlte den kalten Stahl ab meiner Kehle.

"Du wirst bezahlen für meine Geschichte!" , flüsterte sie in mein Ohr und mir blieb nichts weiter übrig, als hilflos zu nicken. Ich ahnte langsam, dass diese Bezahlung anders aussehen könnte als ich es gewohnt war, aber ich wagte nicht, mich zu rühren und wegzulaufen. Ich spürte ihren Atem in meinem Nacken, als sie schließlich fortfuhr.

"Das spöttische Lachen der Matrone ging mir bis ins Mark und dort vor ihr weinte ich heiße Tränen des Schams und der Angst. Ich wurde im Nacken gepackt und sie zwangen mich, sie anzublicken. Verwirrt und erschöpft, wie ich war, erwartete ich nun meine Bestrafung und zitterte vor Furcht davor. Aber statt dessen begann sie, leise und eindringlich zu mir zu sprechen. Ihre sanfte Stimme lullte mich ein und ich konnte nicht anders, als ihr zuzuhören. 'Ich habe dich kämpfen sehen, Kind', sagte sie, 'und selbst jetzt brauchte es noch fünf meiner Krieger, dich zu halten. Für dein Versagen in der Schlacht müsstest du sterben, aber ich mache dir ein Angebot: du dienst mir als eine meiner persönlichen Leibwachen. Mir, niemandem sonst, außer der Göttin selbst. Meine Wünsche und Befehle gehen über alles, du dienst und gehörst nicht länger dir sondern allein mir.'

Die Wahl fiel mir leicht, ich willigte ein und schon wenig später wurden meine Wunden versorgt und zum ersten Mal in meinem Leben genoss ich ein richtiges Bad."

Das leise Schnurren des Behagens, das ihr bei dieser Erinnerung entfuhr, jagte mir kalte Schauer über den Rücken.

"Im Vergleich zu vorher genoß ich unvorstellbaren Luxus als die Leibwache der Mutter Oberin und war bereit, blind jedem ihrer Befehle Folge zu leisten... Kannst du dir vorstellen, Mensch, wieviel ich ihr verdankte?"

Schon damals habe ich die Gesellschaft der Dunkelelfen, ihre Rangordnungen und die absolute Abhängigkeit von ihrer Spinnengöttin nicht annähernd begriffen und auch heute kann ich es nicht. Aber ich beginne zu verstehen, dass der Sprung von der wertlosen Gesellschaft der Unterstadt in die Reihen der adeligen Häuser etwas Außergewöhnliches ist. Denn die Häuser und ihre Intrigen sind direkt Lloths Willen unterstellt und der Willkür ihrer Spinnengöttin zu dienen, ist den Drow eine Ehre. Ich selber wäre wahrscheinlich lieber gestorben, als mich ganz einer solchen Priesterin Lloths wie der Matrone von Xorlarrin zu unterwerfen. Aber mir fehlt dieser fanatische, alles beherrschende Glaube an den Spinnendämon.

Heute kam eine junge Drow zu mir und sprach eine Weile eindringlich auf mich ein. Ihre Hände gestikulierten wild, aber ich konnte sie nicht verstehen. Was nur erwarten sie von mir, was erwartet mich hier noch? Oh Götter, lasst mich nur ein einziges Mal noch die Sonne sehen bevor ich sterbe...

TinTamarras Flüstern, dicht an meinem Ohr, war kaum hörbar, als sie schließlich fortfuhr und der Dolch an meiner Kehle raubte mir jegliche Konzentration.

"Ich diente ihr, das Haus war stark und stand hoch in der Gunst Lloths. Bald hatte ich meinen unglückseligen Kampfrausch in der Schlacht vergessen. Aber die Matrone beobachtete mich und ich kann nicht leugnen, dass er Spuren hinterlassen hatte. Wenn ich je noch Skrupel gehabt hatte, jetzt hatte ich sie endgültig verloren: ich lebte einzig und allein für den Kampf. Gleichzeitig aber verließ mich auch jede Art von Magie. Ich war nicht mehr in der Lage, selbst die Kugeln der Dunkelheit oder das Feenfeuer zu beschwören, was jeder Dunkelelf von Geburt an beherrscht. Mir fiel es immer schwerer, mich an Vergangenes zu erinnern und -wohl auch wegen meiner Ungeduld- begriff ich immer weniger von der ausgeklügelten Taktiken der Kriege und hatte auch kaum mehr Geduld dafür: Meine Klinge wollte Blut lecken. Aber als Kriegerin der Ilharess, der Matrone, musste ich die Taktiken nicht begreifen und wenn je einmal irgendwer zu ihr vordrang, tötete ich ihn mit Vergnügen.

Aber auch diese Zeiten änderten sich, die Matrone begann, sich immer mehr und mehr für die Oberfläche zu interessieren. Bald wechselte sie Briefe mit einem Darthiir, einem Elfen der Oberfläche! Ich war empört über diese Würdelosigkeit und sagte es ihr auch. Aber statt mich auf der Stelle dafür zu bestrafen, dass ich an ihr gezweifelt und ihre Handlung in Frage gestellt hatte, hatte sie etwas viel grausameres für mich: ich sollte nach oben reisen, zu dem Elfen und ihr Bericht erstatten von seiner Stärke und seinen Schwächen. Ich habe den Tag dieser Entscheidung verflucht, habe gebettelt und gefleht, nicht gehen zu müssen, aber all das war ohne Ergebnis. Mit einer Karawane gelangte ich zur Oberfläche und ich hasste jeden einzelnen Schritt, der mich von meiner Heimat Menzoberranzan fort brachte. Als ich das erste Mal bei Nacht eure ach so schöne Welt erblickte, war ich betäubt und verwirrt von all den Geräuschen, Gerüchen und dem Himmel mit seinen Lichtern. Wochenlang noch war ich schwach, die Sonne machte mich krank und die Zeit bei dem Elfenfürsten der Asqarathi war demütigend. Aber das Schlimmste geschah erst eine Weile später. Bisher hatte ich regelmäßig mit Hilfe eines magischen Kristalls Bericht erstattet und Befehle erhalten, er war meine Verbindung nach Hause. Aber eines Tages blieb er stumm. Was ich auch versuchte, der Kristall blieb blind und tot. Ich konnte mir das nicht erklären, er wurde von der Matrone Xorlarrin selbst durch ihre Magie unterhalten und was nur konnte es bedeuten, dass er auf einmal nicht mehr funktionierte? Erst dachte ich, es läge an dem schlechten Einfluss der Oberfläche... aber die Berichte aus Menzoberranzan, die mit den geheimen Karawanen kamen, waren eindeutig: Xorlarrin war ausgelöscht.

Ich persönlich glaube, dass der Einfluss der Oberfläche und des Elfen das Haus geschwächt haben, denn warum sonst könnte Lloths Gunst Xorlarrin verlassen haben?

Ich war verzweifelt, ohne Haus und ohne Heimat, denn die Rückkehr in Lloths Stadt wäre der sichere Tod für mich gewesen. Wenn ein Haus ausgelöscht wird, müssen alle seine Kinder getötet werden.“

Ihr Dolch ritzte meine Kehle und ich fühlte mein eigenes Blut meinen Hals herabrinnen. Ich zitterte vor Angst um mein Leben, aber sie schien zu gefangen in ihren Erinnerungen, um das zu bemerken.

„Die Zeit danach war verwirrend für mich“, fuhr sie fort, „Ich blieb bei den Asqarathi, lernte und sah so viel Neues... Ich werde dir nicht von all dem erzählen, so sehr es mich auch verändert hat --die Erinnerungen sind noch zu kostbar, um sie mit dir zu teilen, Mensch. Es würde mich verletzbar machen. Meine Zeit bei den Asqarathi endete, als der Bund zerbrach und ich ließ mich treiben. Ich bin ziellos durch das Land gereist, habe aber nirgendwo bleiben wollen.. oder können.

Was mich aus diesem ziellosen Leben herausriss, war wie ein Wink der Göttin selbst, nach hause zurückzukehren. Ich traf auf Angehörige meines Volkes, Drow des Hauses Despana. Im Vergleich zu der Pracht Xorlarrins war das Haus schwach und seine Matrone jung. Älter als ich, aber zu jung, um ein Haus gut zu führen. Ich schloss mich ihnen dennoch an, denn wer, wie ich, zu lange ohne Haus und fern der Göttin ist, der geht in den Tod. Unterwerfen aber wollte ich mich so einer jungen Närrin wie Laele Despana nicht. Jetzt sollte ich lernen, dass man einem Zeichen der Göttin besser mit ganzem Herzen folgt, entweder ganz oder gar nicht! Ich wurde verbannt für meine Zweifel und meinen fehlenden Glauben und Respekt für das Haus. Und auch wenn ich stolz war und auf den Fluch der jungen Despana spuckte, Lloths Strafe traf mich doch. Ich floh in das Unterreich, versuchte, mich von all den kostbaren Ereignissen, Erinnerungen und .. Freundschaften zu lösen, aber es gelang mir nicht, genausowenig, wie ich nach Menzoberranzan zurückkehren konnte. So lebte ich in den verschlungenen Gängen und Spalten des Unterreiches.“

Ich erschauerte. Schon oft hatte ich vom Unterreich und seiner eigenen, dunklen Magie, einer Welt unter der Oberfläche, das Heim vieler bösartiger Kreaturen und auch Heimat der Drow, gehört. Es heisst, dass nicht einmal sie lange allein dort bestehen können, dass einem Das Unterreich den Verstand raubt.

Ich habe die Geschichten über das Unterreich nicht geglaubt und auch nicht viel davon gesehen, als ich hierher gebracht wurde, aber nun spüre ich es. Sein schleichender Einfluss verändert den Geist, ich erinnere mich nicht mehr an das Licht und die Hoffnung. Langsam verliere ich immer mehr von dem, was mich ausmacht, alles wird umgarnt von der klebrig- bösen Magie des Unterreichs. Meine Lieder, meine Geschichten, meine Träume - ich glaube, all das erstickt langsam unter dem Gestein. Auch ihr schien es damals nicht anders ergangen zu sein. Sie erzählte mir davon, wie Stück um Stück von ihren Erinnerungen verloren ging. Irgendwann muss sie aufgegeben haben: sie kroch zu Laele Despana zurück, um die Verbannung zu beenden. Damals, im Park, als der Mond auf uns schien, hatte ich fast noch Mitleid mit ihr, denn diesen Stolz zu überwinden, der sich in ihrer Geschichte, in all ihren Gesten und in der Art wie sie sprach, zeigte, muss wahrhaft nicht leicht gewesen sein. Aber der Dolch an meiner Kehle zwang mich zur Bewegungslosigkeit und innerlich schwankte ich zwischen Wir, so behandelt zu werden, Empörung, dass niemand mir half und kalter Angst.

Beim Haus Despana war sie mit offenen Armen empfangen worden, die Götter wissen, warum. Ebensogut hätten sie sie dort töten können, aber wer versteht schon die Willkür von Lloth und ihren verdorbenen Kindern?

Sie beendete ihre Geschichte mit einem leisen, bitteren Lachen, dann herrschte lange Zeit Schweigen zwischen uns. Vorsichtig regte ich mich, um mich dem schrecklichen Dolch endlich zu entwinden, in der Hoffnung, sie würde mich nun ziehen lassen. Aber statt dessen hörte ich ihr wütendes Fauchen und spürte einen scharfen Schmerz in meinem Nacken. Gequält schrie ich auf, aber schon Sekunden später wurde es dunkel um mich.

Als ich wieder erwachte, lag ich gefesselt und geknebelt in der Dunkelheit. Dieselbe Dunkelheit, die mich noch immer umhüllt: sie hatte mich in die düsteren Gänge des Unterreichs verschleppt. Ich hörte sie in der Dunkelheit mit einigen anderen - männlichen Drow - reden, aber ich verstand ihre Sprache nicht. Kurz darauf wurde ich gepackt und sie brachten mich hierher. Meine Fesseln wurden gelöst und sie stießen mich in dieses dunkle Dreckloch hinab, das nun meine ganze Welt ist, bis jetzt. Oh Götter, hätte ich dich nur nie von den Drow gehört!

Ich höre Schritte draußen auf dem Gang. Meine Pflanze leuchtet noch schwach und ich kauere mich in dem kleinen Lichtkegel zusammen. Was wird nur geschehen?

Sie war da. Zusammen mit einigen Wachen stand sie in meiner Zellentür. Ihr höhnisches Grinsen ließ mich erschauern. Ich habe sie angefleht, mich gehenzulassen, aber sie lachte nur. „Du“, sagte sie lächelnd, „wirst bezahlen. Ich habe dir mein Leben erzählt, nun tausche ich Leben für Leben. Deines für meines, und deines schenke ich Lloth. Gehen willst du? Etwas besseres wartet auf dich: du hast die Ehre, für die Göttin zu sterben, dein Opfer wird sie freuen und stärken!“

Bei diesen Worten erstarrte ich innerlich. Alles, was in mir noch an Hoffnung, an Gefühl gelebt hatte, starb in diesem Augenblick und machte einer großen Leere platz. Noch lange, nachdem sie gegangen war, lag ich schluchzend im Kegel meines kleinen Lichtes und nun begreife ich endlich, wie nah und unweigerlich mein Ende ist. Ich werde hier sterben, verlassen von den Göttern, vergessen unter dickem Gestein. Ich hoffe nur noch, dass diese Schrift eines Tages ans Licht gelangt und jenen eine Warnung ist, die zu neugierig sind.

Meine Geschichte endet hier, möge sie die eines anderen retten.