Sachte strichen Laeles perfekt manikürte Fingernägel über die glatte Tischplatte aus schwarzem Marmor. Das Geräusch, das dabei entstand, war ein leises Kratzen, das immer mehr an den Nerven zerrte, je länger sie damit fortfuhr. Auf dem Tisch lagen unbeachtet Pergamentrollen mit prunkvollen Siegeln, Karten und Listen - Dinge, die so uninteressant, so unwichtig schienen, dass es lächerlich war.

Aus einer Laune heraus hatte sie die Leibwachen aus ihrem Zimmer geschickt. Jetzt ärgerte sie diese Entscheidung. Sie war unklug und launisch gewesen, und dennoch hatte sie es getan. Was musste sie überhaupt so eine Nichtigkeit kümmern? Die Tatsache, dass eine so kleine, willkürliche Entscheidung sie so gereizt werden ließ, schürte ihre latente schlechte Laune nur noch. Wie... nichtig. Warum musste sie sich über diese Dinge Gedanken machen? Sie war die Ilharess del qu'ellar Despana. Ihre Macht war unangefochten, der Aufstieg ihrer selbst und ihres Hauses beispiellos glänzend und steil. Sie selbst war von Lloth auserkoren und gesegnet, die natürliche Herrschaft der Ilythiiri über alle anderen zu verdeutlichen. Und wer war besser geeignet als sie?

Dennoch brütete Laele nun schon seit über einer Stunde in dem ledernen Sessel vor dem glänzend schwarzen Tisch mit den Pergament vor sich hin. Die Situation war alles in allem dennoch... unbefriedigend. Seit Tagen schon wurde sie das Gefühl nicht los, dass etwas geschehen musste. Seit der Niederlage in Delucia war alles viel zu ruhig. Der Verlust der potentiellen Herrschaft über ein paar Lehmhütten, die ihre Verbündeten so begehrt hatten, schmerzte sie nicht sonderlich. Dennoch steckte der Stachel der Niederlage etwas zu tief in ihrer Haut, um sie nicht ständig wieder zu reizen und die Schwächen und Fehler, die ihre Verbündeten bei dem Angriff begangen hatten, im Geiste noch einmal durchzuspielen. Unbefriedigend.

Schließlich stand Laele auf. Ihr jugendlicher Körper war in auf sie perfekt zugeschnittene, seidengrau und violett irisierende Gewänder gehüllt. Armreifen und eine kunstvolle Haarspange aus Platin vervollkommneten das Bild perfekter Eleganz. Unzufrieden stellte sie fest, dass sie mit den Leibwachen auch alle Diener hinausgeschickt hatte. Ein Wink mit der Hand würde ihr nicht beschaffen, was sie wollte. Unbefriedigend!
Sie klatschte schon beinahe zornig einmal in die Hände. Sofort schwang lautlos die schwere Tür des Gemaches auf und die zwei Wachen traten ein. Laele konnte draußen flüchtig zwei weitere erkennen, in perfekt sitzender Rüstung, perfekter Haltung und dennoch... so unbefriedigend und aufreizend lächerlich und sinnlos.

"Weise den Sklavenaufseher an, dass ich in einer Stunde im Thronsaal unterhalten zu werden wünsche", herrschte sie den eilig an den Wachen vorbeihuschenden Diener an, der keine Sekunde zögerte, sich vor ihr auf die Knie zu werfen.
"Ich wünsche..." Kurz hielt die Ilharess inne und betrachtete ihre schlanken Finger und die in glänzendem Schwarz lackierten Fingernägel. "... Musik und einen Tanz."
Laele hatte aus einer völligen Laune heraus entschieden, aber ihre Entscheidung gefiel ihr. Noch mehr gefiel ihr die Gewissheit, dass nun in den Sklavenquartieren eine Stunde lange helle Aufregung und Geschäftigkeit herrschen würde, bis alles bereit war, einzig und allein ihr zu gefallen. Aber etwas fehlte noch, um sie gänzlich zufrieden zu stellen.
"Richtet den Priesterinnen und auch meiner werten Tochter aus, dass ich ihre Anwesenheit erwünsche... ."
Immer noch fehlte etwas, um die unbestimmte Laune, aus der heraus sie handelte, vollkommen zu erfüllen. "Befehlt auch Krieger her, in den Paraderüstungen. Ich wünsche es." Ja, das war es. Irgendetwas ließ Laele sich nun entspannen und die Vorfreude auf das Ereignis genießen. Perfekt und ihrem Willen entsprechend würden ihre Befehle ausgeführt werden und daran gab es in ihren Augen nicht den geringsten Zweifel. Lächelnd trat sie wieder an den Marmortisch und nahm die erste der Pergamentrollen auf, die schon seit über einer Stunde darauf warteten, von ihr gelesen zu werden. Sie würde sich die Zeit bis zu dem Schauspiel mit ihnen vertreiben. Beiläufig winkte sie den immer noch am Boden knienden Diener weg.

Wenig später stand Sethos in einer tiefschwarzen Rüstung aus Stahl hinter der Bank, die Shalees Platz war. Er mochte das Gewicht der Rüstung nicht sonderlich, doch der Befehl war eindeutig gewesen: Paradeuniform. Er hielt in der Hand die schwere Hellebarde, die er bei solchen Anlässen gern trug. Die Waffe war für den Kampf ungeeignet, doch konnte ein einziger Schlag einen Menschen zerteilen. Häufig schon hatte er auf ein Nicken der Herrin ein Opfer, das vor dem Thron stand, so enthauptet.

Sethos wusste nicht, warum er und die anderen herbefohlen wurden, aber er genoss es, der Erste im großen Thronsaal zu sein.

Ein halbes Dutzend Bücher, einen Arm voll Schriftrollen und unzählige Pergamente flogen durch die Luft.
Die Ilharess rief das Haus zusammen! Lange war das nicht mehr geschehen... Wie ein Wirbelwind fegte Elvanshalee durch ihre Kammer, schmiss die weichen Hausschuhe in die Ecke, das Gewand hinterher, schnürte sich die silbernen Sandalen an die Füsse, zog sich das seltsame, unglaublich schmiegende und kribbelnde Kleid der Avalon-Priesterin über, flocht hektisch ihr schneeweisses Haar zu einem festen Zopf und band ihn mit einer silbernen, kompliziert geschmiedeten Spange fest, packte ihren Stab und eilte hinaus.

Als sie im Thronsaal ankam, stand Sethos bereits dort, hinter ihrer Bank. Elvanshalee stoppte ihre raschen Schritte und fiel in einen langsameren, würdigeren Gang.
"Vendui´", sagte sie leise, setzte sich und wartete gespannt.

Sethos lächelte sie kurz an und wollte sie berühren. Im letzen Moment fiel ihm ein, dass sie nicht allein waren hier im Thronsaal und dass diese Tat unweigerlich eine harte Bestrafung zur Folge hätte.
Zögerlich nickte er nur und verbeugte sich.
"Ich grüsse Dich, Priesterin", antwortete er und fuhr leise fort:
"Wisst Ihr, warum wir hier sind?"

Immer noch brachte Sethos das Ihr und du, das Euch und wir bei Shalee durcheinander.

"Nau..."
Elvanshalee schüttelte den Kopf.
"Orthae Ilharess teilt mir die Gründe ihrer Befehle nicht mit, Sethos",
sagte sie amüsiert, wandte kurz den Kopf und berührte den Krieger in Paradeuniform am Ellbogen.
"Gedulde dich, wir werden es früh genug erfahren. Ich finde es äusserst unterhaltend, das gesamte Haus wieder einmal versammelt zu sehen."

Sethos hatte die Rüge nicht überhört, ärgerte sich über die dumme Frage und nickte demütig.
Leise sagte er:
"Ich bin gespannt, wer alles erscheinen wird und wer nicht."
Dann nahm er Haltung an und stand still hinter Shalee.

Die Aufregung im Haus entging Xuna'ay nicht. Doch noch immer zur Tempeldienerin degradiert, würde es ihr wohl nicht vergönnt sein, dem Aufruf zu folgen. Vielmehr würde sie wohl im Tempel verweilen und die Blutspuren der letzten Zeremonien beseitigen.
Es konnte so nicht weiter gehen, irgend etwas musste sie unternehmen, aber noch immer hatte sie keine richtige Lösung für ihr Problem gefunden.

Doch sie kam einer Lösung immer näher, dessen war sie sich sicher.

Unzufrieden mit sich und vor allem der niederen Arbeit, die sie hier zu verrichten hatte, machte sie sich daran, das Blut vom Obsidianaltar zu entfernen.

In ebenfalls schwarzer, stählerner Rüstung, an der ein Sklave lange Zeit Flecken entfernt und Kampfbeulen ausgebessert hatte, betrat Eheron den Thronsaal. In der Hand hielt er einen Speer, den er einem dieser wilden Rivvin abgenommen hatte. An seinem Waffengurt hing das neue glänzende Kryss, dessen Klinge von vielen magischen Runen verziert war. Mit einigen schnellen Schritten stellte er sich auf den Platz, auf dem er immer im Thronsaal stand und von wo aus er die Zugänge überblicken und im Zweifel schnell eingreifen konnte.

Barsch winkte Xemaris die Botin fort, die ihr die Nachricht, nein, den Befehl der Ilharess, in einer Stunde sich im Thronsaal einzufinden, überbracht hatte. Wenig war in den letzten Tagen, Wochen, geschehen, daß die dringliche Anwesenheit der Yathtallar des Hauses Despana erforder hätte. Ihre Mutter, die heilige Matrone des Hauses Despana, Laele, wußte, wie sehr Xemaris dieser verschwenderische Prunk, der nur entfernt zur Preisung der Göttin Lloth, sondern vielmehr der Selbstbeweihräucherung der Ilharess diente, zuwider war. Es lohnte nicht, dies auch nur ansatzweise anzudeuten, schließlich war sie die Ilharess und hatte Lloths Willen - noch.

Die Wege der chaotischen Spinnengottheit waren wirr und grausam. Xemaris selbst hatte davon gekostet und war sich sicher, daß der dunkle Stern ihrer Mutter bald sinken würde, um ihrer Nachfolgerin Platz zu schaffen. Natürlich gab es nur eine mögliche Ilharess, sollte Laele nicht mehr sein. Xemaris lächelte in der Gewissheit, daß sie selbst es sein würde.

Schließlich, nachdem sie einige Minuten mit diesen angenehmen Gedanken verbracht hatte, herrschte sie ihre Dienerinnn an. Laele wollte unterhalten werden und erwartete, daß jede die prächtigsten Gewänder am Leibe trug und Xemaris Dienerinnen würden dafür Sorge tragen und mit ihrem Leben haften, daß die Ilharess nicht enttäuscht werden würde. Zudem war noch viel Zeit übrig. Sie belächelte diejenigen, die vor Stundenfrist im Thronsaal erschienen. Das war nicht der Wunsch der Ilharess und mit Sicherheit würde ihre Willkür dafür sorgen, daß einige von ihnen dies spürten.

Etwa fünfzig Minuten später verließ Xemaris ihre Gemächer. Die aufwendig zu zwei langen Zöpfen geflochtenen schneeweißen Haare wurden an mehreren Stellen von schwarzen Ringen gehalten, auf denen Muster von Spinnennetzen eingraviert waren. Ihre Stirn wurde von einen schwarzen, mit Glyphen verzierten Reif, geziert, welcher von derart filigraner Art war, daß ein Betrachter annehmen musste, daß ein Lufthauch ausreichen könnte, den Reif brechen zu lassen. Um den Hals war ein Amulett aus Obsidian gelegt, auf welchem die Konturen von Spinnen mit Säure eingeätzt waren. Das Gewand, welches sie trug, unterschied sich auf den ersten Blick nicht von Xemaris Hohepriesterinnengewändern. Doch der zweite Blick offenbarte silberne Fäden, die scheinbar chaotisch das Gewebe durchzogen, das spärliche Feenfeuer glitzernd zurückwarfen und von Zeit zu Zeit unter den Bewegungen der Yathtallar ein großes Spinnennetz ergaben. Gegürtet war sie mit einem Gürtel, dessen Riemen aus schwärzlichem Metall bestand, das so lange bearbeitet worden war, daß es formbar wie Leder war. Auch hier das Muster eines Netzes, während die Gürtelschnalle, hergestellt aus dem seltenen Mithril, eine prächtige Spinne darstellte. An ihren Füßen trug sie schwarze Sandalen, deren Herstellung ein Jahr in Anspruch genommen hatte. Lederne Riemen waren bis knapp unter die Knie Xemaris geschnürt. Selbst die Haut der Hohepriesterin war verziert. Nur für die Augen der Drow sichtbar war mit magischer Farbe ein schmales Netz auf ihren Körper gemalt worden.
Etwa einen Schritt hinter Xemaris gingen zwei Tempeldienerinnen, deren Erscheinung gemessen an Xemaris schier verblasste und dennoch ein wichtiges Beiwerk zum Auftreten der Hohepriesterin waren.

So erschien Xemaris zur exakten Uhrzeit im Thronsaal, neigte ihr Haupt vor der Ilharess.
"Deine Ust Dalharil ist, Deinem Wunsche entsprechend, erschienen, um Deiner Unterhaltung beizuwohnen."
Sie ging zu dem ihr zustehenden Stuhl und setzte sich, flankiert von den Tempeldienerinnen und wartete nun geduldig auf die Geschehnisse.

Sethos verbeugte sich tief, als Xemaris den Saal betrat. Er wollte der Tochter Laeles nicht wieder eine Chance geben, ihn zu bestrafen. Er hasste sie mehr als die Affenmenschen in Yew.

So hatte sich doch noch eine "Gelegenheit" ergeben...
Auf Xemaris Wunsch hin hatte sich Xuna´ay mit einer weiteren Tempeldienerin der Yathtallar angeschlossen, um ihren Auftritt ordentlich in Szene zu setzen. Wie erniedrigend, nicht genug das sie zur Tempeldienerin degradiert ist, nein, jetzt mußte sie auch noch dazu herhalten, Xemaris´ Ego noch höher zu hieven als es sowieso schon war.
Gekleidet in das, für Drow, schlichte Gewand aus schwarzer Spinnenseide, welches einer Tempeldienerin geziemt, und ohne jeglichen Schmuck folgte sie der Yathtallar mit gesenktem Blick. Durfte sie die Schönheit der Yathtallar nicht durch ihre eigene schmälern oder gar überschatten. Sie fühlte sich so... nackt und unwürdig in den Kleidern einer Wanre del Yath war sie doch zu höherem geboren. Aber sie würde ihren Weg noch machen, wenn sie erst dieses... kleine Problem... los würde. Bis dahin musste sie ihre Rolle weiter spielen und hoffen das sie in den Büchern der Bibliothek auf eine Lösung stieß.

Wo... flüchtig sah sie sich um... ach ja sie war unterwegs in Xemaris Gefolge, sie hatte nicht bemerkt das sie schon den Thronsaal betreten hatten, sie stand jetzt schon einen Augenblick zu lange nur da ohne etwas zu tun... die Blicke der anderen branten förmlich auf ihrer Haut, obwohl sie Xuna´ay in Wirklichkeit wahrscheinlich gar nicht beachten würden, alle Aufmerksamkeit galt wohl Xemaris.
Was... ach Xemaris, Mist... wieder war sie unkonzentriert und abgelenkt... sie musste ihr Problem endlich lösen... aaaahhhh, Xemaris stand schon auf ihrem Platz... wie lange hatte Xuna´ay jetzt gezögert? Hatten die anderen es bemerkt? Eilig nahm Xuna´ay ihren Platz neben Xemaris ein.

Einen langen Moment sah Morkeleb dem Diener nach, der den Befehl überbracht hatte.
Die Ilharess wünschte die Anwesenheit ihrer Krieger. Und sie wünschte sich das sie Paraderüstungen trugen. Jene schwerfälligen Panzer die nur im Unterreich ihre wahre Wirkung entfalten konnten. Hier oben waren sie nutzloser Ballast der nichts weiter tat als die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Aber ihre Wünsche waren die Bestimmung ihrer Diener, also würde es geschehen wie sie es wollte.
Langsam und bedächtig zog er die schwere Rüstung an. Fortwährend musste er an seine letzten Begegnungen mit der Ilharess d´Qu´ellar Despana denken. Schlug ihre Laune nun in das Gegenteil um? War nun der Zeitpunkt wo sie ihn zahlen lassen würde? Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. Was nützte es sich Gedanken zu machen. Ihre Herrschaft war grenzenlos, unangefochten und ihr lolthgefälliger Wille lenkte das Schicksal des Hauses. Er war nur ihr Diener und würde tuen was immer sie verlangte.
Endlich hatte er die Rüstung angelegt und machte sich auf den Weg zum grossen Saal. Er versicherte sich noch einmal das noch genug Zeit und keine Eile nötig war, als er seine Ausrüstung auf dem Weg einer letzten, kritischen Prüfung unterzog.
Er betrat die Halle von der, dem Thron gegenüberliegenden, Seite. Nur wenige Schritte im Raum blieb er stehen und verbeugte sich tief vor der schon anwesenden Yathrin. Demütig aber stumm, um sie nicht zu stören, nahm er einen Platz hier ein.
Viele Krieger suchten die Nähe der Ilharess oder der Priesterinnen, doch wie er wusste ermöglichte es nur eine etwas abseits liegende Position wie diese den Raum und die Anwesenden und deren Reaktionen zu beobachten. Kaum jemand wagte es, die Ilharess direkt anzusehen und so liess sich von seinem Platz, ihrem fast genau gegenüber, manchmal sogar noch mehr sehen als von dem steinernen Thron aus.
Still und in perfekter Haltung wartete er dann auf die Ankunft der orthae Ilharess. Kurz lächelnd unter seinem Helm, denn für diese kurze Zeitspanne waren Rang und Ansehen lächerlich unwichtig. Warteten sie doch alle gleichsam auf das Eintreffen ihrer Herrin.

Nachdem sie sich einiger Bücher entledigt hatte und wieder viele Stunden in ihrer dunklen Kammer verbracht hatte, fing Taguerre an sich anzukleiden. Ihre Haare wurden von einer goldenen Spinne gehalten wobei die zwei Vorderfüsse die Zöpfe hielten. Ein Illusionszauber war auf die Spinnespange gerichtet so das es so aussah als ob es sich bewegen würde. Sie zog einen schwarzen im infrarotbereich schimmernden Rock an, der mit silbernen Runen bestickt war und die Stoffenden wurden von kleinen kunstvoll verzierten Spinnen gehalten. Darunter zog sie ihre neueste Kreation an - einen eng anliegenden Körperpanzer die so unter der Bluse nicht sichtbar ist. Die passenden Handschuhe hatte sie auch bereit und sie strahlten auch im Infrarotbereich doch nur so wie sie es wollte. So zurechtgemacht begab sie sich in den Saal und nahm von einem Sklaven einen kleinen Weinpokal und harrte der Dinge, die da kommen würden.

Nach exakt einer Stunde schwang die große Flügeltür der Halle auf und augenblicklich erklang die feine Musik der kristallenen Röhren und Splitter, die kunstvoll auf metallenen Halterungen getragen und von zwei Dunkelelfen am Klingen gehalten wurden. Nur durch die Berührung zweier fragiler, kristallener Stäbe hielten sie sanft den Kristall am Schwingen und erzeugten zwei Töne, tief und voll, deren Klang die ganze Halle zu füllen schien und durch Mark und Bein ging. Endlich wurden die Kristallspiele auf ihren Halterungen abgesetzt und die beiden Musiker änderten ihre Art, die Stäbe zu halten. Die Töne wurden feiner, angenehmer und leiser.
Hastig huschten die Sklaven davon, aber der Sklavenmeister blieb entsetzt stehen - der Thron der Ilharess war noch leer und es war schon begonnen worden. Hektisch wies er die Musiker mit Handzeichen an, die Töne aufrechtzuerhalten und blickte sich nervös zu den wartenden Sklaven und Tänzern um. Die Töne hingen in der Luft, aber das Fehlen der wichtigsten Person zu diesem Ereignis war so deutlich, dass es schon unangenehm war. Genauso gut hätte jene peinliche Stille über der Halle hängen können, die sich ergab, wenn zwei Fremde einander nichts mehr zu sagen hatten. Die Sklaven kauerten still bei den großen Türen, die Krieger standen aufmerksam in ihren Paraderüstungen und die Priesterinnen übten sich in Geduld und versuchten, die Fassade von Erhabenheit und Disziplin aufrechtzuerhalten - und nichts weiter geschah. Der Angstschweiß stand dem Aufseher auf der Stirn. Was nun? Die Frage stand ihm so deutlich ins Gesicht geschrieben und seine Knie schlotterten so erbärmlich, dass man beinahe Mitleid haben konnte... hätte haben können, wäre dies ein Tanz gewesen, wie er sonst an der Oberfläche zelebriert wurde. Hier aber, in der dunklen Feste, im Thronsaal der Ilharess del qu'ellar Despana gab es kein Wort für Mitleid und die Bedeutung wäre den Ilythiiri ohnehin fremd gewesen.

Exakt acht Minuten, acht winzige Striche, die die Wassertropfen in den Zeitmessern den Wasserpegel hatten höher steigen lassen, dauerte es, bis man endlich Schritte vom Hauptgang her hörte. Zwei Krieger der persönlichen Garde der Ilharess traten ein und wiesen alle, die es wagten, so nahe bei den Ausgängen zu stehen, an, sich an einem angemesseneren Platz zu sammeln. Zwei weitere der Krieger in ihren mattschwarz schimmernden Rüstungen, die fein mit Runen verziert und Metallen durchsetzt waren, traten ein und postierten sich neben dem Thron. Und da, gerade als der achte Wassertropfen in dem kleinen Becken auf dem Wasser kleine Kreise ziehen ließ, kam sie. In Begleitung von drei weiteren ihrer Krieger und angetan in einem prächtigen, samtschwarzen Gewand, betrat sie den Thronsaal.
Erst hier, im düsteren Licht der Feenfeuer, mochte man erkennen, dass das Gewand zur Hälfte aus dünner Seide bestand und viel weniger verbarg als preisgab. Es umschmeichelte den Körper der Ilharess wie eine betörende Verlockung und ließ den Schmuck und die Verzierungen auf ihrer Haut geheimnisvoll im Licht der Feenfeuer schimmern. Anmutig ließ Laele sich auf ihrem Thron nieder.
Der letzte und achte Krieger folgte in kurzem Abstand. Er trug eine große, flache Schale, die er nun, da sich die Türen hinter ihm schlossen, vor ihnen auf feinen, metallenen Füßen abstellte. In der Schale waren dunkle, kristallen glitzernde Stücke Kohle und Gestein und einige samtene Beutel mit scheinbar demselben Inhalt.
Mit ruhigen, gemessenen Bewegungen nahm der achte Krieger die Beutel aus der Schale und schüttete langsam und bedächtig, als wäre dies eine schon beinahe heilige Aufgabe, den Inhalt der Beutel in weitere Schalen an den Rändern der Halle, in denen sonst das kalte Feenfeuer flackerte.
Die Töne, die immer noch von den kristallenen Instrumenten ausgingen, waren leise und hell geworden. Es schien beinahe, als würden alle in der Halle den Atem anhalten, als der achte Krieger seinen Rundgang beendet hatte und seinen Platz an der Seite seiner Herrin einnahm. Die Tänzer und Sklaven kauerten still auf ihren Plätzen und warteten. Die Krieger in ihren Paradeuniformen wirkten wie obsidianene Statuen, wie sie auf ihren Plätzen standen. Der Blick vieler vieler Augenpaare hing auf dem Thron der Ilharess und doch nie völlig an ihr selbst.
Laele Despana, die Ilharess des Hauses Despana, legte ihre Hände auf die schwarzen Lehnen des Thrones und ließ ihren Blick über die versammelten Drow schweifen. Krieger und Soldaten, wohlgefällig anzusehen - ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Die Priesterinnen, in feinen Gewändern und mit dem ihnen gebührenden Selbstbewusstsein - Laeles Blick ruhte kurz auf der Gestalt ihrer Tochter. Die Diener und Sklaven, respektvoll am Boden kniend, wie es sich geziemte - Laele hob das Kinn.
"Auf meinen Befehl hin seid ihr hier." Sobald Laeles Worte durch die Halle klangen, ließen die Musiker hastig die Kristallstäbe sinken und brachten ihre Instrumente zum Schweigen. "Es schien mir an der Zeit, an die Macht der Ilythiiri, der Kinder der Göttin zu erinnern. Die Lobpreisungen zu Ehren Lloths erweisen ihr jede Ehre, aber was nutzt es, wenn ihr euch selbst nicht ehrt, wenn ihr euch sogar gleichzustellen droht mit menschlichem Gewürm oder dem sonstigen niederen Pack auf dieser Welt? Die Ilythiiri sind durch die Göttin dazu bestimmt, zu herrschen. Sie allein haben die Gaben, die dazu nötig sind und alle anderen außer ihnen sind nur Würmer im Staub. Kein anderes Volk hat diese Größe und diese Bestimmung. Dies soll nicht nur ein Tanz werden, um unsere Augen zu erfreuen, dies soll der Beginn eines Festes werden, zu Ehren der Göttin und als Sinnbild der Herrlichkeit und Macht, die sie uns, ihren Kindern, verlieh."
Wie, als wären diese Worte ein Signal gewesen, huschten Sklaven in die Halle, in ihren Händen Tabletts aus schimmerndem, dunklen Holz, auf denen zarte Gläser und Karaffen standen. Zu jedem einzelnen kamen die Sklaven und boten ehrerbietig und mit gesenktem Kopfe den purpurfarbenen Wein an. Leise setzte die Musik wieder ein: zwei kühle, klare Töne klangen angenehm in den Ohren der schwarzen Elfen. Der Duft des erlesenen Blutweins aus den Karaffen war süßlich und voll und Laele genoss es, das kostbare Glas eine ganze Weile zu betrachten und den schweren, würzigen Duft einzuatmen, bis sie dem Sklavenaufseher den Wink gab, den Tanz zu beginnen.

Nach all den Jahren hatte Laele Despana immer noch die gleiche Wirkung auf Sethos. Er stand still an seinem Platz und senkte den Kopf. Seine Göttin war da, seine ganz persönliche Herrin über Leben und Tod. Für sie würde er sterben und töten. Für sie würde er tanzen und morden. Sein leben gehörte ihr, und so tief er Xemaris haßte, so sehr liebte Sethos Laele Despana. Die, die ihn mit Hilfe der Göttin zu einem Werkzeug des Todes gemacht hatte.
Leise fast schüchtern murmelte er:
"Ich grüsse Euch, Herrin über Leben und Tod. Mein Leben für Euch. Despana Ultrin."

Natürlich spürte Elvanshalee Sethos´ Reaktion auf Laeles Erscheinen. Ein wenig verächtlich schürzte sie die Lippen. Ein kriechender Hund hatte mehr Würde als er...
Ruhig erhob sie sich von ihrem Sitz, sank auf die Knie und senkte den Kopf.

Fast augenblicklich erhoben sich die Tänzerinnen und Tänzer von den kalten Steinplatten auf dem Boden und eilten lautlos, barfuß auf Stein, zu den Rändern der Tanzfläche. Die beiden Musiker suchten den Blick ihres Gegenübers, während sie einen zweiten Stab, diesmal aus matt glänzendem Metall, aus den weiten Ärmeln ihrer kostbaren, dunklen Gewänder zogen. Auf einen Herzschlag genau gleichzeitig schlugen sie sachte an die zerbrechlichen Kristalle. Das feine Klirren hallte vibrierend auf den Kristallen nach und ließ die Tänzer Haltung annehmen. Dann, langsam und zuerst kaum hörbar, setzte die Musik ein: zwei Töne, der eine klar und rein, der andere dunkler, den ersten umschmeichelnd, schwankend in der Tonhöhe, formte eine Melodie.
Die Tänzer begannen, noch ebenso langsam, ihre ersten Schritte. Leise raschelten die grauseidenen Tücher ihrer Gewänder. Langsam drehten sie sich aufeinander zu. Die schlanken Arme wiegten sich im Takt der Musik, der immer eine winzige Nuance neben perfekter Regelmäßigkeit gehalten zu werden schien, immer knapp neben gleichmäßigem Herzschlag, mal eine Winzigkeit zu früh, eine Winzigkeit zu spät, aber im Ende doch perfekt ausgewogen und immer schlugen die Metallstäbe vollkommen gleichzeitig an den Kristall, als wüssten die Musiker genau, welchem verwirrenden Muster ihr Takt folgte.
In der Mitte der Tanzfläche verneigten sich die Tänzer vor den Tänzerinnen. Violette Seide schimmerte unter der grauen auf, als die Tänzerinnen die grauen Schleier ihrer Tänzer beiseite zogen und so mit ihnen Paare bildeten. In den Händen der Tänzer aber blitzten plötzlich Dolche auf, zierlich gekrümmt und aus reinem, weichen Silber, ungeeignet für den Kampf und doch prachtvoll anzusehen. Atemberaubend schnell schossen die Dolchpaare auf die Tänzerinnen zu aber kein einziger ritzte die makellos ebenholzfarbene Haut. Und doch fanden alle ihr Ziel: durchtrennt wurden die dünnen Fäden, die die grauseidenen Schleier der Tänzerinnen hielten. Unter ihnen schimmerte silberweißer Stoff auf, ein herrlicher Kontrast zu der so dunklen Haut. Noch bevor die Schleier lautlos zu Boden sinken konnten, fingen die Tänzer sie auf, immer noch selbst durch die graue Seide von den Tänzerinnen gehalten.
Und so begann der Tanz der Paare, die Männer gehalten durch feine Seidenschleier ließen die Dolche und die geschnittenen Schleier langsam um sich und um die Tänzerin kreisen.
Die Musik schien ihren Bewegungen zu folgen oder sie der Musik. Schwer war auszumachen, was Ursprung des Tanzes war, Musik oder Bewegung. Keines der Paare bewegte sich gleich und doch herrschte niemals Disharmonie. In perfektem Chaos glitten die Tänzer über die Tanzfläche.

Der Wein und die Musik, so fühlte man, tat bei den umstehenden Ilythiiri langsam seine Wirkung. Der Hauch der kristallenen Instrumente schien nicht nur die Tänzer zu begleiten oder anzuleiten, sondern umschmeichelte auch die Zuschauer, hüllte sie langsam ein in die vielschichtigen Nuancen der Töne und des Tanzes. Langsam wurde der Rhythmus der Musik schneller. Silbern blitzten die Dolche und die Gewänder der Tänzerinnen zwischen den grauen Schleiern auf, Purpur wechselte sich mit Silber, Grau mit dem Ebenholz der Haut.

Wohlgefällig blickte Laele Despana auf den Tanz unter ihrem Thron. Vor ihr wirbelten die Tänzer durch die Halle und die Musiker bewegten sich in perfektem Einklang. Zeigte das nicht die wahre Herrlichkeit ihrer Macht, der Macht der Ilythiiri und der Laeles selbst?
Gelassen hob Laele die Hände. Ihre Arme waren mit silbern glitzernder Farbe verziert: feine Linien schlangen sich in sich drehenden, verschlungenen, verwirrenden Mustern um Arme und Handgelenke.
Leise klatschte sie einmal in die Hände und ihr Blick glitt auffordernd über alle Ilythiiri in der Halle.
"Tanzt!", befahl sie.

Tanzen sollten die Angehörigen des Hauses - das war der Wunsch der Ilharess. Vom dunklen, schweren Wein, der Musik und von der Darstellung der Tänzer gefesselt, erhitzt und gebannt blickte Elvanshalee mit leuchtenden Augen um sich. Wer würde der erste sein, der dem Wunsch der Ilharess nachkam...? Sie selbst hatte in den Wäldern schon oft, sehr oft zur Ergötzung von Priesterinnen und Höheren getanzt, nur mit schmalen silbernen Bänden bekleidet, vor dem lodernden Feuer... Doch noch niemals zuvor hatte sie für qu´ellar Despana getanzt oder sich auch nur mit diesen Tänzen beschäftigt.

Eine Weile beobachtete Elvanshalee die Schritte der Tänzer, ihre Bewegungen. Schliesslich stellte sie fest, dass die Art und Weise des Tanzes eine ganz andere war... Natürlich. Die Schritte waren... dramatischer... düsterer... chaotischer... und dennoch perfekt. Sie musste es einfach versuchen. Langsam richtete sie sich von der knienden Stellung auf, wandte sich um und zog mit einer flinken Bewegung einen Dolch aus dem Gürtel des Kriegers, der am nächsten bei ihr stand... Sie löste die Riemen der Sandalen und bewegte sich auf die Tänzer zu. Ohne ihre Bewegungen zu unterbrechen, öffneten sie den Kreis und liessen Elvanshalee hinein. Ein paar Augenblicke stand sie mit geschlossenen Augen da und lauschte auf den seltsamen Rhythmus, auf die Schritte um sich herum. Schliesslich hob sie den Dolch mit der linken Hand hoch über den Kopf, hielt die rechte hinter dem Rücken und fiel in den Tanz mit ein, bewegte sich wie die Tänzer, mal mit ihnen, mal in der entgegengesetzten Richtung. Sie liess sich von der Musik forttragen, fesseln, ergreifen... Wirbelnd wie ein Derwisch tanzte sie mit nackten Füssen über den glatten Boden, immer weiter, immer schneller... Um die anderen Tänzer herum... An ihnen vorbei... Mit ihnen... Verführte, spielte, lockte... Plötzlich blieb sie stehen, liess den Blick über die anwesenden Krieger schweifen, suchte... Wer von ihnen würde es wagen, ihr in diesem Tanz zu folgen..?

Sethos hatte an dem Wein nur genippt. Er wollte nicht unachtsam werden. Dennoch berauschten ihn die Musik und der Klang der Töne. Er war schon immer anfällig für magische Musik gewesen, und diese Musik war magisch erregend. Langsam begann er sich im Takt zu wippen, ohne Shalee aus den Augen zu lassen. Ihre weichen Bewegungen erregten ihn mehr als die Musik. Ihr Körper flog durch die Luft wie eine Feder, und seine Gier wuchs und wuchs. Nur zögerlich, aber von der Musik getrieben näherte er sich ihr und zog ihren Duft in sich ein. Immer schneller wurden seine Schwingungen bis er plötzlich tanzte.
Sethos der Mörder tanzte den Balztanz. Er tanzte gierig und fordernd um die Priesterin.

Vom schweren Wein trunken, vom Moschusduft benebelt und erregt, von der Musik gefesselt und vom Tanz gebannt, erkannte Elvanshalee den Krieger nicht mehr, der die Frechheit besass, so... fordernd, lockend und gierig um die Yathrin herum zu tanzen. Sein Gesicht verschwamm. Irgendetwas in seinen Bewegungen kamen Elvanshalee bekannt vor, irgendwie erinnerte sie sich an... Aber was spielte das für eine Rolle? Das hier war der Tanz der Ilythiiri, der Tanz der Dunklen Göttin und ihrer Kinder.
Elvanshalee löste das dünne Seidenband um ihren Hals, welches ihr Kleid hielt. Wie flüssiges Silber rutschte es streichelnd von ihrem Körper. Mit einem gezielten Fusstritt beförderte die junge Yathrin das Kleid in die Hände ihrer Dienerin. Nur ein winziger, dunkelgrauer, glitzernder Hauch von fast überhaupt Nichts bedeckte nun mehr den zierlichen Körper Elvanshalees. Sie schlang einen Arm um den tanzenden Krieger, sog seinen Duft mit dem des seltsamen Rauches tief in sich hinein und bewegte sich mit ihrem Tänzer über die Fläche. Erst führte sie ihn, dann liess sie sich führen, wo immer er auch hinwollte.

Das hier war der Tanz der Ilythiiri.

"Rrrrrrr"
war das einzige Geräusch, das aus Sethos' Kehle drang. Ein rauchiges Knurren, das seine Gier nur in Ansätzen beschrieb. Er konnte seine Blicke nicht mehr von Elvanshalees Brüsten und Schenkeln nehmen. Er konnte sich nicht lösen von der Sucht, endlich ihren Körper zu berühren und sich mit ihr zu vereinigen.
Näher und näher tanzte er um sie. Näher und näher kamen die beiden Körper sich. Längst hatte er die Lederrüstung abgelegt und liess sich vom Strom der Lust fortreissen. Mit nacktem Oberkörper und nur noch mit einer Seidenhose bekleidet, die seine Erregung nur spärlich verdeckte, tanzte er nur vor der Priesterin und konnte ihren Atem auf seiner Haut spüren.
Kraftvoll zog er sie an sich und ihre Brüste pressten sich auf seine nackte Haut.

Mit fröhlichem Lächeln sah Eheron der tanzenden Yathrin zu.
Tanzen... das war der Befehl der Ilharess gewesen. Eine Schwierigkeit war das für Eheron noch nie gewesen. Bei so vielen Festen hatte er anwesend sein müssen und sich dem gesellschaftlichen Tanz hingeben. Mit halb geschlossenen Augen gab er sich immer mehr der düsteren, morbiden Musik hin. In seiner Zeit in der Garde der Lichtstadt Trinsic hatte er gelernt, sich auch in der festen Paraderüstung graziös zu bewegen. Zu jedem Schlag jedes Taktes wirbelten seine Füsse in einem halb wahnsinnigen Rhytmus über den Boden. Fast schwebend zog er von der einen Seite des Tanzsaales zur anderen. Immer leichter schien er umher zu schweben doch immer noch hielt er sich im Rhythmus der schweren Musik.
In seinen Reigen hielt er sich immer an Xemaris und ihre Mutter Laele. Nie liess er eine aus seinen Augen oder aus seinem betanzten Bereich. Nie behinderte er sie auch nur im geringsten Masse.
Leichtfüssig schwebte er um die Führung des Hauses und bewies mit seinen unmöglich leichten Bewegungen immer wieder seinen Gehorsam zu den Befehlen der Ilharess.

Einen pompös verzierten Kelch in der Hand haltend verfolgte Xemaris die Tänze der Dienerschaft. Sie führte das Gefäß zum Mund. Ihre schwarz-silbernen Lippen berührten den Rand, sie kippte den Kelch und die Flüssigkeit floß langsam in ihren Mund. Einige Zeit behielt Xemaris diese im Mund, schmeckte mit ihrer Zunge den Geschmack des Weines, wie dieser schwer und fruchtig ihren Gaumen netzte. Sie schluckte den Wein hinunter, genoß den Nachgeschmack für mehrere Augenschläge, lauschte den Tönen der Musik.
Den Kelch stellte sie auf der rechten Lehne des Stuhles ab. Sie winkte eine Tempeldienerin zu sich und bedeutete ihr mit einer eindeutigen Geste, ihr die Sandalen von ihren Füßen zu lösen. Sie genoß es, die Finger der Tempeldienerin zu spüren, genoß das Gefühl der Macht, daß sie über die Drow hatte, genoß den Wein, die Musik, die Tänzerinnen. Xemaris spürte nun, das etwas in ihr diese Feste vermißt hatte, die im Unterreich öfter gegeben worden waren. Und sie wußte auch um den Abschluß eines jeden Festes.

Lächelnd stand sie auf, nahm die Tanzfläche in Augenschein. Wie sie erwartet hatte, hatte Elvanshalee Noay die Gelegenheit schon genutzt und tanzte bereits. Während sie die Stufen hinabstieg, musterte sie die Tanzenden weiter. Noch hatte sie niemand gefunden, doch das Fest hatte kaum begonnen. Ehrfürchtig wichen die Tänzerinnen und Tänzer beiseite, gaben der Hohepriesterin Lloths den Weg frei, ohne ihre eigenen Schritte zu unterbrechen. Xemaris ging weiter, zur Mitte der Tanzfläche, nahm die Musik, die Melodie in sich auf und begann den Körper danach zu bewegen. Ihre Hände glitten über den Bauch zur Hüfte, strichen über den glatten Stoff ihres Gewandes, wanderten weiter, ihre Oberschenkel hinab, über die Knie bis zum Spann ihrer Füße. Einen Atemzug lang verharrte sie in dieser Position, um dann in die Luft zu schnellen, spannte jeden Muskel an, streckte einen Arm in die Höhe, die Finger griffen in die Luft. Sie schien in der Luft zu schweben, die Zeit für sie angehalten, nur um mit Einsetzen des nächsten Taktes zurück zum Boden zu gleiten. Die Zehenspitzen ihres rechten Fußes berührten den schwarzen Granit, sie winkelte die Arme an den Oberkörper und drehte sich um die eigene Achse. Mit vollendeter Drehung warf sie die Arme von sich. Um ihre Fesseln und ihre Hände hatte sich nun ein mattes violettes Leuchten von Feenfeuern gelegt; in der rechten Hand hielt sie einen Dolch, dessen Klinge bläulich schimmerte.
Nun ließ sie sich von der Musik mitreißen, tanzte elegant, anmutig, schwebte mehr über den Boden als das ihre Füße diesen berührten; jeder Schritt, jede Bewegung eine Lobpreisung ihrer Göttin und mit jedem Blick ihrer Augen nach der Person suchend, dessen Herz am Ende des Festes mit dem irisierenden Opferdolch in ihrer Hand aus dem Körper geschnitten werden würde.

Nachdem sie der Yathtallar die Sandalen abgenommen hatte, stellte Xuna´ay sich wieder an ihren Platz. Sie beobachtete das Treiben, doch immer wieder ertappte sie sich das ihr Gedanken abschweiften, sie war einfach unkonzentriert, wie schon die ganze letzte Zeit.
Je länger sie die Tänzer beobachtete, um so mehr entglitt Xuna´ay die Kontrolle über sich. Sie war nicht sicher ob die Aufforderung zum Tanz auch ihr als einfache Wanre del Yath gegolten hatte, doch plötzlich löste sie sich aus ihrer Position und begann einen Wilden wirbelnden Tanz. Sie war ganz in einen Trancezustand abgeglitten und nahm ihre Umgebung nicht mehr wahr, als hätte etwas anderes macht über sie ergriffen. Ihr Gedanken wirbelten umher und keinen Gedanken

Schweigend und in Haltung verharrend hatte Morkeleb zugeschaut. Als die Diener jedoch Wein ausschenkten musste er diesen Schutz fallen lassen. Dann begann das Schauspiel des Tanzes. Hin und her Wogte die Schar der Tänzer in wilden Wirbeln. Wer genau hinsah konnte erkennen wie ähnlich der Tanz den Übungen war, die den Kriegern so gewohnt waren um ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit zu trainieren. Wieder einmal offenbarte sich das verwobene Schicksal, das komplizierte Netz. Schönheit und Tod lagen dicht beisammen, dort wo Ihr Wille herrschte.
Schliesslich gab die Ilharess ihren Befehl. Sie alle sollten tanzen, tanzen und feiern. Während er noch überlegte und auf das unberührte Glas in seiner Hand blickte sah er Yathrin Elvanshalee zur Mitte des Raumes streben. Ihre Bewegungen waren anmutig und zeugten von langer Übung und ihrem einmaligen Gefühl für Musik. Kurz darauf war Sethos an ihrer Seite, wie anders hätte es sein können. Jede seiner Bewegungen drückte sein Wesen aus, jeder Schritt war eine Kampfbewegung und seine Arme beschrieben Bögen wie Hiebe mit seinen Waffen. Aber es war auch noch etwas anderes in seinem Tanz... Etwas, das nicht so sehr zu dem Bild passte, das er sonst so gerne von sich zeichnete.
Dann schritt die Yathtallar in die Mitte des Kreises. In ihrer Hand eine geweihte Klinge und jede Faser ihres Körpers strahlte die Macht aus, die sie verkörperte. Jede kleinste Bewegung zeugte von ihrem Leben im Dienste Lolths und hob sie über jeden der anderen Hinaus. Auch ohne die Magie, welche diese Wirkung noch unterstrich, war sie die dominierende Präsenz.
Langsam schloss er die Augen ein wenig und lies die Musik in seinen Geist. Die wilden, intensiven Klänge begannen ihn zu erfüllen, ihn in ihren Bann zu ziehen. Doch um dem einen Befehl der orthae Ilharess zu folgen hiess es einen anderen Missachten. Doch anders konnt es nicht sein.
Mit fast andächtigen Bewegungen und leicht dem Verlauf der Musik folgend began er seine Rüstung abzulegen. Stück für Stück glitt der schwere Panzer zu Boden. Schon kurz darauf war er nur noch mit einer dünnen, tiefschwarzen Hose und einem passenden leichtem Hemd bekleidet, die er wie üblich unter der Rüstung getragen hatte. Barfuss und mit leicht wiegendem Schritt näherte er sich dem tanzenden Kreis. Und befreit vom Gewicht der schweren Rüstung wurde er schon nach kurzer Zeit Teil der sich anmutig bewegenden Menge. Teilte ihren Rausch und ihren wilden Tanz, der grossen Göttin zu Ehren.

Schneller und schneller schlugen die Stäbe gegen den singenden Kristall. Längst nicht mehr nur ein Ton sondern mehrere, viele, die sich zu einer düsteren und dennoch so mitreißenden Melodie verbanden. Längst waren die ursprünglichen Tänzer nicht mehr die einzigen, die sich von der Musik tragen ließen oder sie anführten und bestimmten. Die Krieger und Tempeldienerinnen, Priesterinnen und Magier, Magierinnen und selbst die Diener und Sklaven wirbelten zur Musik über die kalten, steinernen Steinplatten der Halle. Alle folgten dem Befehl ihrer Herrin - Tanz.
Die Musik ebbte ab und schwoll wieder an und mit ihr das wirbelnde Meer der Tänzer. Das klare Denken wurde weggewischt und zerfiel in kleine, glitzernde Splitter in tanzendem, klingendem Chaos.
Und über allem thronte, immer noch gelassen und ruhig, das zierliche Glas mit Wein in der Linken, die Herrin über die Feste und die herrliche, anmutige, verdorbene Schönheit in der Halle. Ihr Blick ruhte auf den Tänzern, als suche sie etwas bestimmtes. In ihren Augen glitzerte es zufrieden, als sie es schließlich gefunden hatte. Langsam hob sie die Hand und einer der Krieger um sie trat zu ihr, um ihren Befehl zu empfangen.
Sie beugte sich ein Stück vor: nur wenige Worte und der Krieger hatte verstanden. Demütig senkte er das Haupt und wandte sich um. Langsam trat er zu den Kohlebecken am Rande der Halle. In jedes der Becken warf er eine Prise feinen Staubes aus einem kleinen, samtenen Beutel. Dünner, purpurfarbener Rauch kräuselte aus der glitzernden, kristallenen Kohle empor. Bald schon hing ein dunkler, moschusartiger Geruch in der Halle.
Sklaven huschten herein und brachten Teller und Tabletts mit frischem Wein für jene, die sich schon wieder müde zurückgezogen hatten. Der Wein benebelte die Sinne, aber die dunkle, blutrote Flüssigkeit floss wie flüssiges Feuer durch die Adern und ließ die Müdigkeit vergessen. Auf zahlreichen silbernen Tellern boten die Sklaven Köstlichkeiten an. Das Erlesenste, was die Händler aus dem Unterreich und seinen Städten mitgebracht hatten, zu kleinen Köstlichkeiten zubereitet, oft nicht mehr als ein einziger Bissen und Genuss.
Der Rauch breitete sich langsam in der großen Halle aus und hing über allem wie feiner Nebel. Sein schwerer Duft lag auf der Tanzfläche und mit jedem Atemzug nahm man mehr davon auf und mit jedem Atemzug verschwammen die Konturen der Wirklichkeit mehr und mehr in jenem feinen, purpurnen Nebel. Silber und Ebenholzschwarz, Grau und Violett, Blutrot und Schneeweiß wirbelten durcheinander, verschwammen und zu allem klang jene schwingende, vibrierende Musik, die nie zur Ruhe kommen ließ.

Das war ein Tanz, wie ihn die Ilythiiri liebten. Gefahr und Rausch, Blut und Lust am Tanz lagen so dicht beieinander, dass ihre Grenzen verschwammen und das eine nicht mehr vom anderen zu trennen war. Aber über allem, kühl und überlegen, thronte die Ilharess Laele Despana wie eine Spinne in dem von ihr perfekt gewobenen Netz. Das war ihr Reich und dies war Symbol ihrer Macht.

Mit einer eleganten Geste stellte sie das zarte Glas an den Fuß ihres Thrones und stand auf. Die Musiker verstanden das Signal und wieder änderte sich die Musik. Ihr Rhythmus wurde schneller, atemlos. Das Vibrieren der Kristalle ließ alles in der Halle nachklingen, fand sein Echo in den zarten Gläsern und trieb den Tanz voran, schneller, atemloser. Die Herrin über das Chaos in der Halle selbst stieg die Stufen ihres Thrones hinab zu den Tanzenden. Der dunkle Samtumhang glitt achtlos hinter ihr zu Boden. Durch die dünnen, schwarzen Seidenschleier schimmerten die irisierenden Farben auf ihrer Haut, als sie sich selbst dem Tanz anschloss.
Laele brauchte kein Feenfeuer, das ihre Gestalt im Tanz erstrahlen ließ. Sie war die Spinne in diesem Netz und sie allein wob die Fäden und konnte auf ihnen tanzen, also tanzte sie. Wie von selbst fanden ihre Füße die richtigen Schritte, die sie zu ihrer Beute im Netz lenkten.
Niemand stellte sich ihr in den Weg, sie war unangefochten.
An den Seiten der Halle, wo der purpurne Rauch am dichtesten war und der Wein nun in Strömen floss saßen und lagen die Ilythiiri, die dem wirbelnden Tanz nicht mehr zu folgen imstande gewesen waren. Doch an den Rändern des Tanzplatzes wartete auf sie ein anderer Tanz, der alle Kräfte forderte: eng umschlungen lagen schon die ersten Paare, berauscht vom schweren Duft aus Purpur und dem süßen Wein. Wein und die erhitzten Leiber der Ilythiiri ließen das Blut in den Adern pochen zum seltsamen Rhythmus der Musik.
Weiter und weiter trieb die Musik die berauschten Elfen, ließ keine Ruhe und kannte kein Erbarmen in dem flirrenden Chaos, in das sich die Halle verwandelt hatte.
In seinem Zentrum aber, wie im Auge des Sturms, den sie entfesselt hatte, tanzte Laele Despana, schwarz und glänzend, in Seide und auf der Jagd. Sie lauerte auf ihr Opfer. Bald schon, bald würde es in hilflos in ihrem Netz hängen bleiben. Sie musste lächeln über ihre Wahl - so willkürlich, so interessant und unbekannt. Der Reiz, der von ihrer Beute ausging, war der des Fremden, des Unentdeckten. Und wenn die Beute erst einmal in ihren Fäden hing, hatte sie alle Zeit der Welt, die Geheimnisse und Genüsse zu ergründen, die er zu bieten hatte.

Wild wirbelten die Ilythiiri in ihrem Tanz.
In wilden Bewegungen tanzten sie, berauscht vom Wein, dem schweren Duft des Rauches und gefangen im Spiel der Körper. Heiss rauschte das Blut durch ihrer aller Adern. Intensiv wie ihr Leben war auch dieser Tanz. Schnell und wild, voller Kraft und doch Eleganz.

Es hatte nur Momente gebraucht, bis auch Morkeleb gefangen war im düstren und doch wilden Spiel der Musik. Der Kreis hatte sich geöffnet und ihn aufgenommen in den wachsenden Reigen der herumwirbelnden Drow. Obwohl sich nur selten die Körper berührten waren sie doch wie ein einziger, ein perfektes Spiel. Der Tanz der Spinne über die seidigen Fäden während sie ihr Netz wob.
Die Hitze im Raum schien immer intensiver zu werden und gierig ergriff er einen der dargebotenen Weinpokale und leerte ihn in einem Zug. Dann schloss er sich wieder dem wilden Tanz an. Gab sich dem Rausch hin. Sein Herz schlug laut und fast im Takt der Musik schoss sein heisses Blut durch die Adern. Vergessen waren Vorsicht und Nachdenken, Intrigen und Planung. Es gab nur den Befehl der Herrin und die Hingabe diesen zu erfüllen, zu tanzen. Ihr zu Ehre und als Lobpreisung an Lolth.
Längst wankten einige andere zum Rand und liessen sich schwer fallen. Erschöpft vom Rausch und doch weiter gefangen im dichten Rauch und dem Klang der Musik. Irgendwo in seinem Inneren spührte auch er diese Erschöpfung und das Verlangen ihr nachzugeben, doch war es gleichzeitig unmöglich. Zu fest waren die Fäden des Netzes die ihn in hielten. Ihn veranlassten alles zu geben um dem Wort seiner Ilharess zu folgen.

Dann endlich schritt sie selbst von ihrem Thron herab zu ihnen. Die Musik schwoll an und das Tempo nahm noch einmal zu. Verlangte noch mehr von den erschöpften Tänzern, forderte all ihre Kraft. Die in nachtschwarze Seide verhüllte Gestalt liess keine Schwäche zu. Ihre Präsenz war selbst im Rausch spürbar und liess alles andere verblassen. Es gab nur sie und den Tanz. Den Tanz ihr zu Ehre.
Und gefangen im Rausch konnte er nicht anders als sie anzuschauen. Ihren Anblick im wilden Tanz zu geniessen, ohne Rücksicht darauf was dies später bedeuten würde. Denn sie war das Herz und die tanzenden Ilythiiri um sie ihr Körper.

Selbst die Spinne in ihrem Netz, selbst Laele, konnte sich all dem nicht mehr vollständig entziehen. Kurz hatte sie ihre Beute aus den Augen verloren, dann tauchte er wieder auf. Sie spürte, wie ihr mit Tanz und Musik, Atemzug und Herzschlag, langsam aber sicher die Kontrolle über sich selbst entglitt. Aber selbst das entsprach ihrem Willen und dem, was sie geplant hatte. Wie köstlich, wie vollkommen... .
Die Musik hüllte sie ein. Klirrende, kristallene Kaskaden von Tönen wechselten sich ab mit vollen, vibrierenden Tönen, die man mehr spürte, als wirklich hörte.
Langsam wandte sie sich ihrer Beute zu. Sie hatte kein Auge mehr für die anderen auf der Tanzfläche. Wozu auch? Sie war die Spinne, der Rest war nur Beute - Fliegen. Aus dem Augenwinkel sah sie die Gestalt ihrer Tochter. Xemaris glaubte, Spinne zu sein, aber sie war - noch - Gefangene in Laeles Netz. Ihr Tanz schien der Herrin über die Feste noch ungelenk. Xemaris war jung und noch so farblos. Sie erinnerte an die jungen Spinnen, wenn sie gerade aus dem festgewebten Kokon platzten. Hell, hässlich gelblichweiß oder hellgrau, mit biegsamen Gliedmaßen, noch feucht von der Wärme und zusammengedrängten Enge im Kokon. Aber Xemaris würde auch heute nützlich sein. Sie würde das Fest zu einem angemessenen Ende führen und ein Opfer für die Göttin wählen, während Laele schon fort war. Fort, in ihren Gemächern, um ihre Beute auszukosten.
Immer mehr Tänzer glitten an den Rändern der Halle zu Boden, fanden einander, ergaben sich dem Rausch der Halle, des Weines, des Rauches, der Musik.
Wieder glitt ihr Blick über seinen Körper. Angemessen... . Flüchtig dachte sie an die kurze Szene in der Bibliothek und an die Berichte aus der Sonnenstadt. Er hatte er ihr Interesse geweckt. Sie würde sehen, ob er es auch wert gewesen war. Wenn nicht, würde sie selbst es sein, die das Fest zu Ende führte, mit seinem Blut und seinem Herzen.
Sie spürte seine Blicke auf ihr noch ehe sie sie wirklich sah. Ein grausames, süßes Lächeln huschte über ihre Lippen. Ihr Körper bog sich zur Musik, Verlockung unter hauchdünner Seide. Jeder Schritt, jede Bewegung, jede Neigung, jede Neigung ihres Kopfes, jedes Wiegen ihrer Hüften wurde zu einem haltlosen Locken. Die Silhouette ihres Körper vor den düsteren Feenfeuern und umhüllt vom purpurnen Nebeln schien so perfekt, so makellos, so begehrenswert.

Laeles Blick, aus Augen wie glühende Kohlen, ruhte auf Morkeleb.
Er spürte ihn, doch unmöglich war es ihn zu erwidern. In immer enger werdenden Kreisen umtanzte er die Gestalt. Wieder und wieder wurden seine Augen magisch von ihr angezogen. Durch den leichten Stoff ihres Kleides schimmerte ihre Haut. Fast leuchtend, wie von Feenfeuern erhellt, doch war es ihr nicht nötig Magie zu verwenden. Ihr Wesen war es, ihre Macht, ihre Präsenz. Doch stets wagte er, trotz aller Ekstase, nur kurze Eindrücke ihrer Gestalt zu erhaschen. Unmöglich schienen längere Blicke oder das Wagnis die Augen zu ihren zu richten. Und dennoch zog sie ihn zu sich. Stimmlose Befehle und unzertrennbare Fäden zwangen seinen Tanz in immer engere Bahnen, näher zu ihr, in den Bann ihres eigenen Tanzes.

Im betörenden Rausch von Wein und purpurnem Rauch gefangen, war er schliesslich in ihre unmittelbare Nähe gelangt. Er umtanzte sie, wie sie, in unvergleichbar eleganten Bewegungen, um ihn herum zu schweben schien. Es war unmöglich ihre geschmeidigen Bewegungen nicht zu bewundern, sich nicht an ihrem Körper zu ergötzen der im Licht ihrer Macht und ihres Genusses zu schimmern schien. Seine Augen konnten sehen wie erhitzt auch sie war im Spiel der Musik wild umherwirbelnd, und dennoch schien sie frisch, fast als könne nichts sie berühren was um sie herum geschah.

Er spührte ihre Aufmerksamkeit, so sehr erfleht, doch genau so gefürchtet. Leben und Tod würden heute dichter als je zuvor zusammenliegen. Und doch war es egal. Wichtig war allein der Tanz, Rausch und Ekstase, Verlockung und Erfüllung.

Vollkommen berauscht vom dunklen Wein, von der Musik und vom Moschusduft tanzte und wand sich Elvanshalee im kräftigen Arm ihres Tänzers, der sie fest an sich gepresst und eng umschlungen hielt. Ihr kurzes, seidenes Unterhemd war inzwischen total verschwitzt und zerknittert und hing nur noch mit einem dünnen Träger an ihrer rechten Schulter. Ihr Zopf hatte sich längst aufgelöst, ihr schneeweisses Haar floss wirr und feucht den schweissnassen Rücken herunter bis zu ihrem Gesäss, das sich unentwegt zur Musik hin und her wiegte. Nur noch sehr wenige standen noch aufrecht, die meisten Ilythiiri waren bereits zu Boden gesunken, engumschlungen, sich hemmungslos ihrer Triebe und dem Rausch der Sinne ergebend. Neugierig und ein wenig amüsiert schaute Elvanshalee über die Schulter ihres Tänzers hinweg den Paaren zu, die sie nur noch schemenhaft wahrnehmen konnte. Einem, das eine gar seltsame, verknotete Stellung eingenommen hatte, flüsterte sie verschwörerisch zu:
"Bwael... Lloth liebt das Chaos... Seit gesegnet!"
Dann schlang sie beide Arme um den Hals ihres Tänzers, schlang das linke Bein um sein rechtes, presste ihren Bauch an seine Hüfte und flüsterte ihm ins Ohr:
"Wir sollten diesen Tanz auch mal im Liegen versuchen, xas...?"

Sethos fauchte gierig; mit einer schnellen Bewegung zog er einen Dolch und schnitt den dünnen Träger ihres Hemdchens durch, so das der Stoff zu Boden fiel und ihre Knospen auf seiner Haut spielten. Dann zog er sie langsam zu Boden und begann sie gierig zu küssen.

Mit leicht benebeltem Blick schaute Elvanshalee an sich runter und stellte fest, dass sie ausser ihrem seidenen Schlüpfer nichts mehr trug. Sie wollte die Hände in die Hüften stemmen und den schemenhaften Tänzer, der begonnen hatte, sie abzuküssen, streng angucken und tadeln. Doch irgendwie kam sie nicht dazu; ihr wurde schwindlig, und plötzlich fand sie sich rücklings auf dem Fussboden wieder.
"Auch gut",
murmelte sie,
"dann fall´ ich wenigstens nicht hin..."
Bereitwillig gab sie sich eine Weile den fordernden Händen und Lippen hin, die zweifellos über ein gewisses Geschick verfügten. Eigentlich zog sie für Tätigkeiten wie diese das Bett vor, der steinerne Boden war gar hart... Aber trotz ihrer Trunkenheit war sie sich bewusst, dass sie den Saal nicht verlassen durfte - nicht ehe Laele sich zurückgezogen hatte und das Opferritual vollzogen war, an dem sie als Yathrin teilnehmen musste.
Elvanshalee seufzte bedauernd, als sie an ihr grosses weiches Bett dachte, und hielt nach der Ilharess Ausschau, während sie mit dem langen Haar des Tänzers spielte und an seinen Ohren knabberte. Die Herrin war eine der wenigen, die noch aufrecht standen und die einzige, die Elvanshalee in ihrem Rausch erkennen konnte... Wunderschön, erhaben und anmutig tanzte sie in der Mitte des Saales. Ihre Bewegungen waren ein Locken, ein Heranwinken, ein Verführen ihrer Beute, die sie sich ausgesucht hatte, die nun wehrlos im Netz hing und darauf wartete, verspeist zu werden... Neugierig kniff Elvanshalee die Augen zusammen und versuchte, den Auserwählten zu erkennen, aber es gelang ihr nicht... Was machte das schon? Sie hatte ihre eigene "Fliege" bereits gefangen und machte sich daran, sie für den späteren Verzehr einzuwickeln...

Die Fliege fühlte sich als Jäger, der endlich seine Beute hatte erlegen können. Sethos Hände tanzen nun über ihren Körper und berührten all die Stellen, die er schon immer berühren wollte. Seine Lippen küssten gierig die Berge und Täler ihres Körpers und seine Zunge benetze ihren Körper.
Die Musik und die Umgebung waren für ihn längst nicht mehr Real. Für Sethos gab es nur noch die nackte Priesterin auf dem Boden vor ihm. Mit einer flinken Bewegung setzte er den Dolch an ihrem seidenen Höschen an.

"Meinst du nicht, dass Waffen jetzt gänzlich unpassend sind? Oder geht es ohne sie nicht, eh?"
flüsterte Elvanshalee ihrem Tänzer ins Ohr, "oder möchtest du es riskieren und mir die Hüfte aufschlitzen, hm? Tu das weg!" Flink packte sie sein Handgelenk und bohrte ein bisschen ihre Fingernägel hinein. Sethos gab ein Fauchen von sich und biss ihr zärtlich in den Halsansatz. Mit einem leisen Klirren, das in der Musik völlig unterging, liess er den Dolch fallen und widmete sich wieder der Erforschung des Körpers seiner Beute. Von überall neben sich hörte er leises, aber auch heftiges Stöhnen und Juchzen. Viele Paare hatten sich nun schon über Kreuz vereinigt, so dass an einigen Stellen nur noch ein Gewirr aus Armen und Beinen zu sehen war.

Sethos aber interessierte dies nicht, er wollte sie, nur sie.

Noch immer war Xuna'ays Tanz unvermindert wild. Ungeachtet der körperlichen Erschöpfung tanzte sie weiter und weiter.

Dann drang der schwere Rauch in ihre Nase und schien sich allmälich in ihrem Kopf auszubreiten. Langsam legte er sich auf alle Sinneseindrücke und Wahrnehmungen, etwas Seltsames geschah, einerseits benebelte der Rauch ihre Sinnen noch weiter auf der anderen Seite wurde sie wieder klarer, ihr Tanz wurde weniger wild, passte sich mehr dem Wogen und Tanzen der anderen an, nun glitt sie hinab in eine Trance, die anders war als die bisherige. Jetzt wurde sie ergriffen von Extase. Das fühlte sich irgendwie richtig an, anders konnte man es nicht beschreiben. Jetzt konnte sie die Augen schließen ohne die Tanzenden Flammen zu sehen ja jetzt fühlte sie sich Lolth nahe... ja... das war die Lösung... warum war sie da bisher nicht drauf gekommen... doch plötzlich gaben ihre Beine unter ihr nach und völlig erschöpft und benommen blieb sie am Rand des Tanzbereiches liegen.

Das Fest wurde immer wilder. In Sethos Blickfeld stand niemand mehr. Alle räkelten sich auf dem Boden und gaben sich ihrer Lust hin. Er fütterte gerade Shalee mit Köstlichkeiten aus dem Unterreich und verteilte sie spielerisch auf ihrem Körper.
Der Rauch aus den Schalen und der schwere Wein benebelten langsam auch seine Sinne. Mehrmals wurde er von anderen Drows, männlichen wie weiblichen, berührt und diverse Hände wollten ihn in das Liebesknäuel neben ihn ziehen. Doch das alles interessierte ihn nicht.
Er hatte seine Beute.

Endlich.

Die Köstlichkeiten aus dem Unterreich verklebten Elvanshalees Haar, verklebten ihre Finger und ihre Haut; für eine Weile war die Fütterung durchaus unterhaltend und anregend, doch plötzlich roch ihr ganzer Körper wie ein Festbuffet. Die junge Priesterin verzog angewidert das Gesicht, schob sämtliche Speisen von sich runter und rappelte sich hoch. Das nächstbeste grössere Tuch, das sie fand, wickelte sie sich notdürftig um den Leib und raunte ihrem Tänzer zu:
"Ich werde kurz den Baderaum aufsuchen... Lauf nicht weg, hm?"

Wankend und torkelnd tapste Elvanshalee vorsichtig über die verknoteten Arme und Beine und Leiber hinweg, durch den Saal, Richtung Baderaum.

Sethos versuchte sie noch festzuhalten, griff aber ins Leere. Ein Knurren kam aus seiner Gurgel, als er ihr hinterhersetzen wollte. So leicht würde er sich dieses mal nicht geschlagen geben. Doch der Wein machte seine Bewegung träge und die Hand einer person neben ihm hielt ihn fest. Als er sich endlich den gierigen Fingern entzogen hatte, war sie aber schon verschwunden.

Er hatte seine Beute verloren.

Auf dem Weg durch den Saal verbeugte sich Elvanshalee ohne das geringste Wanken oder Torkeln tief und lange vor ihrer Ilharess, die plötzlich still in der Mitte stand und die berauschten Ilythiiri betrachtete. Die junge Priesterin wollte ihrer Herrin sagen, wie wundervoll das Fest sei und wie wunderschön Laele aussehe, aber als sie ein wenig den Kopf hob, stellte sie fest, dass die Ilharess bereits verschwunden war - fort, zu ihren Gemächern, im Schlepptau bestimmt der Krieger, den sie sich ausgesucht hatte... Elvanshalee seufzte bedauernd, raffte das Tuch zusammen, das sie mehr schlecht als recht um ihren Körper gewickelt hatte, und schritt so würdevoll wie möglich Richtung Tür.

Inzwischen wusste sie, wer ihr Tänzer war - sein eigener Geruch hatte ihr den Namen verraten. Und sie wusste, dass er ihr folgen würde.

Und wieder hatte die Jagd für Sethos begonnen. War er Jäger oder Opfer? Es war ihm gleich. Mit vorsichtigen Schritten folgte er ihr durch die Leiber am Boden, die den weg versperrten. Schwerer süsslicher Geruch vom Liebesakt hing in der Luft. Sethos folgte ihr in die Gänge der Festung.

Langsam und mit so viel Würde wie möglich schritt Elvanshalee durch die halbdunklen Gänge. Die Luft war hier kühler und roch nur nach Festung, nicht nach Moschus, Wein und Fest; auch die betörende Musik war fast nicht mehr zu hören. Mit einigen tiefen Atemzügen sog die junge Priesterin die Luft in sich hinein; ihr Kopf wurde wieder ein bisschen leichter, die Gedanken klarer und die Sicht besser. Der Nebel verzog sich. Einigermassen sicher steuerte sie auf den Baderaum zu und öffnete die Tür. Sofort verbeugten sich die Sklavinnen, die hier ihren Dienst verrichteten.
"Es steht eine Wanne für Euch bereit, orthae",
sagte eines der Mädchen mit leiser und demütiger Stimme, näherte sich ihr unter Verbeugungen mit gesenktem Blick und begann mit schüchternen Fingern, das notdürftig umwickelte Tuch zu entfernen.
"Sargtlin Sethos wird gleich hier eintreffen... Fügt seiner Wanne ein wenig... hm... ein wenig vom Urwaldblüten-Öl hinzu und schiebt sie neben meine",
befahl Elvanshalee, während die aus ihrem Schlüpfer stieg und nackt zu ihrer Wanne tapste. Ein wissendes Lächeln erschien auf dem Gesicht der Sklavin, verschwand aber sofort wieder.
"Asanque", flüsterte sie und eilte davon, um das Öl zu holen. Zufrieden seufzend legte sich Elvanshalee in die Wanne, lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Sethos war das also. Wer auch sonst... Nur er war so unverfroren und unverschämt, ohne Aufforderung auf eine Yathrin zuzugehen. Elvanshalee zuckte mit den Schultern. Vielleicht hätte sie sich einen anderen Tänzer ausgesucht, vielleicht aber auch nicht. Was spielte das für eine Rolle? Sie hatte sie ohnehin nicht mehr erkannt... Jetzt sah die Lage allerdings ein wenig anders aus.

Als Sethos das Bad erreichte, saß Elvanshalee bereits in ihrer Wanne und hatte die Augen geschlossen. Der Schaum bedeckte ihre Rundungen nur spärlich. Mit Missfallen bemerkte Sethos die andere Wanne neben ihrer und überlegte kurz, ob er sich endlich nehmen sollte was er so lange begehrte.
Er konnte alles gewinnen, aber auch alles verlieren. Das Risiko war ihm zu groß.

Mit einer eleganten Bewegung entledigte er sich nun auch der restlichen Kleidung und schlüpfte langsam in das warme Wasser, das verführerisch und exotisch duftete. Seine Haut fing leicht an zu kribbeln und seine Erregung wuchs. Was war in dem Wasser ?

Plötzlich überfiel es Elvanshalee siedend heiss - das Ritual! Es musste bald beginnen! Seit die Ilharess den Saal verlassen hatte, war schon einige Zeit vergangen... Xemaris würde die yathrin hart bestrafen, wenn sie nicht rechtzeitig erschien...
Leise fluchend kletterte Elvanshalee aus der Wanne. Mit scharfen Befehlen scheuchte sie die verängstigten Mädchen im Baderaum umher, liess sich trockenrubbeln, ankleiden, kämmen, frisieren und bemalen.
"Schneller, das muss schneller gehen, sonst kriegt ihr den Stab zu spüren!",
zischte sie, dann, zu Sethos gewandt:
"Tut mir leid, Krieger, ich fürchte, meine Pflichten rufen mich!"Eilig schnürte sie sich ihre Sandalen an die Füsse und huschte aus dem Baderaum, zurück in den Saal. Sie atmete erleichtert auf, als sie die Yathtallar noch immer tanzen sah. Bwael... Es hatte also noch nicht begonnen... Ruhig schritt sie über die trunkenen Leiber hinweg und setzte sich auf ihren Platz, der zweiten Bank rechts des Thrones.

"NEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNN!"
Sethos Faust schlug in das Wasser, als Shalee das Bad verlies um zurück zu der Feier zu gehen. Wut, Hass, Verzweiflung und Gier waren ihm ins Gesicht geschrieben und für einen kurzen Moment dachte er daran, sich wieder eine Sklavin zu nehmen. Doch er wusste das niemand ausser ihr diesen Trieb befriedigen konnte. Nur sehr langsam fand er zu sich zurück, kleidete sich an und ging zurück in den Thronsaal. Der Rausch war verflogen und so nahm er mit seinen Waffen seinen üblichen Platz ein und betrachtete das Treiben. Einen Annährungsversuch einer Drow beantwortete er mit einem Schlag mitten ins Gesicht.
Die Leibwache der Ilharess war sofort um ihn. Die vier von ihnen, die zurückgeblieben waren, um zu wachen und zu beobachten, schienen vom Rausch kaum berührt. Dünnseidene Masken vor den dunklen Gesichtern verhüllten ihr Antlitz bis zu Unkenntlichkeit - und ließen sie freier atmen als alle anderen hier. Die Krieger, gekleidet in geschwärztes Metall und Leder und durch die Rune der Ilharess selbst als ihre Garde ausgezeichnet, kannten ihre Befehle und sie würden nicht zögern, sie auszuführen, selbst wenn das für einen oder zwei von ihnen den Tod in der Klinge des Kriegers zwischen ihnen bedeuten würde.
"Niemand stört das Fest der Herrin", zischte der erste von ihnen leise. "Niemand missachtet ungestraft den Befehl der Herrin", raunte der zweite und eine Klinge blitzte im Halbdunkel kurz auf. Halb gezogen war sie mehr Warnung als Drohung.
"Entferne dich, wenn du nicht würdig bist, ihren Befehlen Folge zu leisten", flüsterte der Dritte.
Der vierte Krieger blieb stumm. Aufmerksam blickte er Sethos an, beugte sich dann hinunter und half der benebelten Tänzerin, die geschlagen am Boden lag, auf. Es kostete ihn kaum Kraft, sie mit sanfter Gewalt zurück in Nebel und Rauch auf die Tanzfläche zu schicken.

Sethos verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
"Zu viert hättet ihr ja vielleicht sogar eine Chance, ihr Narren. Doch ist mir der Wunsch der Herrin heilig."
Sethos verbeugte sich tief und verliess die Halle in Richtung seiner Kammer.
Kopfschüttelnd blickte Elvanshalee hinter dem Krieger her. Hatte er denn gar nichts gelernt? Wie konnte er sich hier, am Fest Laeles, Lloths und ihrer Kinder so gehen lassen? Und warum beim Abgrund verliess er das Fest?! Jeder würde dies als Eingeständnis seiner Unwürde sehen... Elvanshalee seufzte leise. Bedauerlich, wirklich sehr bedauerlich.
Sie sah sich nach der Yathtallar um. Ob das Ritual wohl bald vollzogen werden würde?

Wie ein verwundeter Wolf schlich Sethos durch die Gänge. Er hätte diese verdammten Wachen töten sollen, dachte er bissig. Doch gegen den Willen der Herrin zu verstossen würde er nie wagen. Diese Hunde waren ihre Wachen, und niemals würde er etwas gegen sie tun. Er verdammte sich selbst dafür, diese Schlampe geschlagen zu haben, aber Wut und Sucht waren so groß und der Frust brauchte ein Ventil.
Sethos ging weiter durch die fast leeren Gänge der Festung. Alle waren wohl auf dem großen Fest.

Bald fand er eine Stelle auf der Galerie, von der aus er das Treiben des Festes beobachten konnte. Viele Stunden waren schon vergangen und Laele war bereits verschwunden. Xemaris genoss augenscheinlich die Macht und beherrschte das Fest völlig. Die Leiber, die noch vor ein paar Stunden sich rhythmisch der Lust hingaben, waren ermüdet und lagen nun teilweise engumschlungen auf dem Boden. Die Diener hörten nicht auf Wein und Speisen zu bringen und an einigen Stellen brach schon wieder neue Lust auf.
Sethos beobachtete das Treiben und suchte nach IHR....

Ruhig und würdevoll sass Elvanshalee auf ihrem Platz, nippte hin und wieder an einem Becher leichten Weines, schaute dem inzwischen schon stark verlangsamten Treiben zu und wartete auf den Moment, in dem der Dolch der Yathtallar sein Ziel fand. Die Hohepriesterin liess sich Zeit, sehr viel Zeit, spielte mit ihrem Opfer... Die junge Priesterin widerstand der Versuchung, unruhig auf der Bank herum zu rutschen, hielt den Weinbecher auf den Knien und wartete.

Sethos hatte sie entdeckt und liess sie nun nicht mehr aus den Augen. In der Zwischenzeit bereute er es, das Fest verlassen zu haben und beobachtete sie nun. Der Rausch und auch die Lust schienen von ihr abgefallen zu sein; kein Drow hatte sich in ihre Nähe gewagt. Bis jetzt. Ein schlanker muskulöser Drow näherte sich tänzerisch ihrem Platz und verbeugte sich tief als Aufforderung zu einem Tanz.

Purpur- und rosafarbenes, bedrohliches Glühen beantwortete die Aufforderung des verwegenen Tänzers. Elvanshalee musterte ihn kalt. All ihre Sinne waren vollständig zurückgekehrt, ihr Kopf und ihre Gedanken klar, befreit vom Rausch. Sie hob die Hand, strich dem Mann über die Wangen und ergriff mit Daumen und Zeigefinger sein Kinn. Ihre Nägel bohrten sich in die dunkle Haut.
Mit leiser, aber deutlicher Stimme sagte sie zu ihm:
"Ich habe mich bereits vergnügt, Tänzer. Jetzt bin ich hier, um meine Pflicht zu tun. Geh."

Sethos merkte sich das Gesicht des jungen Kriegers. Wer es wagte, in Sethos Revier zu jagen, würde es büßen. Doch er konnte seinen Blick nicht von ihr wenden. Sethos saß oben auf der Empore und beobachtete sie. Zu gern wäre er zurück in die Halle gegangen, doch wollte er die Herrin über Leben und Tod nicht erzürnen. Sethos wusste, das der Zorn der Herrin groß sein musste, denn sie hatte sich Mork, diesen seltsamen und kampfschwachen Krieger als Spielzeug ausgesucht. Sethos vermutete, das Mork längst tot war und die Berrin bald sein Herz brachte und damit das Fest beendete.

Plötzlich hielt Laele in ihrem Tanz inne. Herrisch glitt ihr Blick über das Geschehen in der Halle, die ineinander verschlungenen Leiber, ihre Tochter, die Priesterinnen und schließlich auch über ihn.
Die Musiker hatten die Musik gedämpft. Ihr Rhythmus war ruhiger, schleppender. Beinahe schon zähflüssig rannen die Töne dahin, nur selten unterbrochen durch das helle, reine Klirren der Stäbe auf Kristall.
Laele Despana stand in der Mitte der nun beinahe leeren Tanzfläche. Sie war die Herrin über dieses Chaos. Sie hatte es beginnen lassen, sie hatte es inszeniert. Es war an Xemaris, es in ein paar Stunden enden zu lassen. Laele überließ ihrer Tochter nur gern die Aufgabe, denn sie hatte besseres zu tun. Ein leichtes Lächeln lag auf ihren Lippen als sie den benebelten Krieger vor sich sah. Langsam und mit wiegenden Hüften kam sie ihm näher, so nah, dass sie nur flüstern brauchte und er doch jedes Wort verstand. Sachte wie Spinnweb legte sie ihren Arm um ihn, ihre Hand in seinen Nacken und flüsterte: "Folge mir, Sargtlin, wenn du mir zu folgen imstande bist."
Mit diesen kurzen Worten wandte sie sich von ihm ab und ging ein paar Schritte zum Ausgang der Halle zu. Einer ihrer Krieger trug schon die große Schale von der Flügeltür fort, auf ihren Wink hin. Kurz warf sie einen lockenden Blick über ihre Schulter. Das silberweiße Haar perlte über ihre Schultern hinab und bildete einen wundervollen Gegensatz zu ihrer dunklen, matt glänzenden Haut und der schwarzen, durchsichtigen Seide. Ihr Lächeln hatte etwas Verheißungsvolles und Lockendes. Wie könnte man diesem Locken widerstehen? Aber das Lächeln um die Lippen der Ilharess erreichte nie ihre Augen. In ihnen glitzerte es kalt: Macht, Machthunger und Stärke paarten sich mit Lust und dem schlichten Befehl, ihr zu folgen.
Der Krieger sollte keine Wahl haben. Laele ließ nie eine Wahl, wenn sie etwas haben wollte und heute wollte sie ihn. Es würde sich zeigen, wie lange er an ihrer Seite verweilen konnte.
Sie brauchte nicht mehr darauf zu achten, ob er ihr folgen würde, während sie zu der Flügeltür und den kühlen, dunklen Gängen schritt. Er würde es tun. Laele hatte keinen Zweifel an ihrer Macht.

Hell klingende Kristallmusik, sich windende Leiber, der Duft des schweren Purpurrauchs, stöhnen, singen, flüstern all dies war Nichts als sie auf ihn zuschritt. Obwohl der Sinnesrausch Morkeleb keine Sekunde aus seiner Umklammerung entließ schien sein Geist in diesen wenigen Momenten klar und seine Sinne scharf wie nie zuvor.
Ihr wiegender Gang, weich und fließend. Nur ihre Fußspitzen schienen den Boden berühren zu müssen als sie, losgelöst von den Banden die alle anderen bezwangen auf ihn zuschwebte. Der hauchdünne Stoff des Kleides fiel entlang ihres Körpers und ließ seine Augen alles erahnen und doch nichts sehen. Ohne Zweifel war sie perfekt wie nur die Gunst der heiligen Göttin es zuließ.
Während sie langsam die Hand hob blickte er gebannt in ihr Gesicht. Er sah das Lächeln ihrer vollen, sanft geschwungenen Lippen. Die ebenmäßige Form ihres Gesichts. Augen, Wangen, Kinn, Mund in perfekter Symmetrie. Vom Haar, das in schimmernden Kaskaden auf ihre Schultern herabfloss, hatte sich eine einzelne, dünne Strähne gelöst und schwebte vor ihr.
Dann bemerkte er ihre kaum spürbare Berührung in seinem Nacken. Fast war es als bliebe jederzeit ein Hauch Luft zwischen ihrer und seiner Haut und das Gefühl war in Wirklichkeit nur eine weiter Illusion des purpurnen Rauches. Und dennoch musste sie real sein, keine Täuschung konnte ihr gerecht werden. Fast war ihm als hätte er einen sanften Schmerz im Nacken gespürt, wie an jenem Tag als er die Gnade der Göttin erfahren hatte, doch kaum ahnte er die Berührung war sie auch schon vergangen.
Während sie leise zu ihm sprach erreichte sein Blick ihre Augen. Hart wie Obsidian schienen sie ihn zu durchbohren, in ihn zu blicken bis in die dunkelsten Tiefen seiner Seele. Er sah Leben und Tod, sein Schicksal, ihre Macht. Es bedurfte kaum ihrer gehauchten Worte um ihren Befehl zu äußern. Beides für sich hätte ausgereicht jeden Gedanken an Widerspruch noch im Entstehen zu ersticken. Und sich überdeutlich dieser Macht über ihn bewusst wand sie sich schon ab und schritt voraus zu einer der großen Flügeltüren.
Sein Blick folgte ihr. Jede ihrer Bewegungen wurde von seinen Augen verschlungen, als sie sich dem Ausgang näherte. Er kostete den Moment aus, denn so wenig sie ihm erlaubte sich ihrem Wunsch zu widersetzen, hatte er doch mehr in ihrem Blick gesehen.
Er zwang sich mit aller Kraft stehen zu bleiben. Jede Faser seines Körpers schien zum zerreißen gespannt und schrie förmlich danach ihr endlich hinterher zu eilen. Dann sah sie sich um und wieder traf ihn ihr Blick härter als jeder Peitschenschlag der Yathtallar es je vermocht hätte. Dennoch schaffte er es sich nicht zu rühren, bis sie die Türe erreicht hatte. Erst in diesem Moment erlaubte er es sich ihr zu folgen. Sein Atem hatte sich in der kurzen Zeit zwar kaum beruhigen können und das Blut rauschte noch immer dröhnend in seinen Ohren, doch sein Schritt war fest und er ging nur kaum merklich schneller als sie.
So folgte er ihr aus der Halle in die kühle Dunkelheit der Gänge. Heute würde er die Beute sein, die Fliege im Netz. Aber was kümmerte es ihn, selbst wenn er noch heute sterben würde, welch größeren Lohn gab es als sich ihn ihrem Netz zu verfangen, im Netz der größten aller Herscherrinnen.

Laele genoss den Gang durch die Gänge der schwarzen Feste. Sie konnte hinter sich die schweren Schritte ihrer Leibwache hören. Metall klirrte leise - Metall, dass sie schützen würde, egal, was geschehen würde. Dennoch war es unnötig, denn wer sollte sie hier, in ihrem Reich angreifen? Sie legte leicht den Kopf auf die Seite, um zu lauschen. Ja, er ging hinter ihr. Seine Schritte, nackte Füße auf kaltem Stein, waren kaum zu hören.

An ihren persönlichen Gemächern angekommen, bedurfte es nur eines kurzen Winkes mit der Hand und einer der Wachen, der dort stand, öffnete die große, schwere Tür für sie. Lautlos schwang sie auf und gab den Blick frei auf die Gemächer der Ilharess. Es gab keinen Raum, außer vielleicht dem Altarraum der Göttin selbst, der diesen hier glich. Die Einrichtung der persönlichen Gemächer der Ilharess war mehr als nur kostbar. In ihnen spiegelte sich schon eine beinahe morbide Dekadenz wieder, anmutig schön und doch so verdorben. Die Ilythiiri waren blind für diese Art der Verdorbenheit, aber ein jeder anderer hätte sie so deutlich gespürt wie einen Peitschenschlag.
Langsam betrat Laele den Raum und war sich der Wirkung, die er auf den Krieger hinter ihr haben mochte, durchaus bewusst.
In diesem Vorraum beherrschte der gewaltige, mattschwarz schimmernde Tisch das Bild. Laele kannte den Ursprung des Gesteins, aus dem der Tisch gefertigt war. Drei sorgfältig gehauene, polierte Stücke Stein aus genau jenem Stalagmiten, der in Menzoberranzan mit der Zerstörung der Kapelle des Hauses Baenre das Sinnbild für den Fall des ersten Hauses gewesen war. Laele hatte die sanfte Ironie gefallen, die in der Bearbeitung und Verwertung des Steines für diesen Zweck gelegen hatte.
An den Wänden hingen Karten des Landes und des Unterreiches, sorgfältigst gezeichnet und gearbeitet. Zwischen den Karten standen Regale mit dutzenden von Büchern. Schwere, lederne Einbände mit Gold- und Silberbeschlag und Schriftzeichen in De'Shineth, der Sprache der Drow, zeugten von dem Wissen und der Macht, die hier ihren Ausgang finden mochte. Weicher, kostbarer Teppich, gehalten in Purpur, Gold und Königsblau bildete einen gerade so eben nicht grellen Gegensatz zu der Schlichtheit des schweren Tisches und der des kostbaren Sessels dahinter. Die Muster auf dem Teppich waren verwirrend verschlungen. Je länger man auf sie blickte, desto mehr gewann man den Eindruck, sie würden sich laufend ändern, verziehen und verzerren, neu bilden und verknoten, als wänden sich goldene Schlangen auf purpurnem und blauem Untergrund.
Auf den Regalen standen Zeugen von Laeles Vergangenheit: zwei kostbare Klingen, beide verziert mit magischen Runen, die schlanke und dennoch so starke Armbrust aus Elfenknochen, eine Nachbildung des seltsamen Amulettes, das vom Clan Reorx zurückerobert worden war... .
Laele verweilte nicht lange in diesem Raum. Er mochte Macht ausstrahlen, aber dennoch war er schlicht, für ihre Verhältnisse. Mit einem weiteren Wink ihrer Hand entließ sie die Diener und die Wachen. Sie wollte nicht gestört werden, nicht jetzt.
Langsam wandte sie sich zu dem Krieger um. Wie war noch sein Name? Eigentlich war er bedeutungslos. Wenn sie wollte, konnte sie ihm einen neuen geben... aber andererseits reizte sie ja gerade sein Geheimnis und Rätsel. Morkeleb war sein Name? Der Klang gefiel ihr, wenn er auch nicht ganz passend schiend.

Mit einem Lächeln machte sie eine einladende Handbewegung zu einem der Ausgänge des Raumes hin, einem kühn geschwungenen Bogen, der in den eigentlichen Hauptraum führte. Durch den Bogen hindurch konnte man auf dem Boden ein zartes Mosaik aus weißem und schwarzem Marmor erkennen, das ein feingewobenes Spinnennetz darstellte. Die scheinbaren Anker für das Netz waren schlanke Säulen an den Wänden des Raumes, in die kostbare Verzierungen eingehauen und eingesetzt worden waren. Geheimnisvoll funkelten seltene Edelsteine in schwarzem Stein: Amethyst und Saphir, Rubin, Smaragd, kleine behauene oder gar gegossene Kunstwerke aus Mithril oder Adamant, geschnitzte Zeichen und Bilder aus Elfengebein und Drachenzahn. Eine nach dem anderen erzählten die Säulen eine Geschichte, keine von ihnen war gleich, sie alle sprachen ihre eigene Sprache.
Zwischen den Säulen an den Wänden standen kostbare Möbel, bezogen mit Seide und Samt, ein großer, bis zur Decke reichender, in Gold und geschwärztes Silber gefasster Spiegel füllte eine der Lücken aus und ihm gegenüber an der Wand stand sein exaktes Gegenstück. In den beiden Spiegeln verlor sich der Raum in der Unendlichkeit, spiegelte sich im Spiegel, in sich selbst und zurück, eine verwirrende Perspektive.
In einem der Zwischenräume, glühte ein Kunstwerk aus Feenfeuern und Illusion um einen kleinen Brunnen herum, dessen Wasser leise und in den Farben der Feuer schillernd seinen Weg in ein fein ziseliertes Becken aus Obsidian suchte.
Ein leises Rascheln mochte den Blick nun nach oben, an die Decke lenken. Der Anblick hätte jeden, der noch von der vorherigen Pracht gefangen gewesen war, entsetzen müssen, wäre er nicht ein Kind der Göttin und damit von dem Anblick in Ehrfurcht gefangen. An der Decke glitzerte es schwarz, wie Tausende und Abertausende kleiner schwarzer Perlen. Sah man aber genauer hin, so erkannte man, dass die Perlen sich bewegten, dass sie lebten und übereinander krochen. Achtbeinige, mörderische, schwarzglänzende Jägerinnen huschten dort an der Decke: Laeles Freundinnen und Diener, Augen und Ohren in der Feste und sogar darüber hinaus, seit die Ilharess einst so viel von ihrem Leben in die Hände der Göttin gelegt hatte. Keine der Jägerinnen fiel herunter, alle huschten übereinander und aneinander vorbei in Einklang und doch in einem so brodelnden, sinnverwirrenden Chaos, dass der Anblick kaum lange zu ertragen war.
Das Zentrum des Raumes aber bildete, von dem Boden bis hinauf zu der Decke und den Spinnen hinaufreichend, die Schlafstatt der Ilharess, ein Bett, auf dem seidene Laken mattgrau schimmerten. Die Kissen waren kostbar bestickt in farbenprächtigen Mustern.
Genau dort nahm Laele nun Platz und betrachtete Lächelnd den Krieger der ihr folgte. Ein wenig wirkte er wie ein Fremdkörper im Raum, auf dem Netz, das seine nackten Füße jetzt berührten. Dennoch war Laele die Eleganz in den Bewegungen des Mannes nicht entgangen.
Langsam glitt ihre Hand über die seidenen Laken. Ihre Hand fand unter den Kissen, was sie suchte: eine kleine Phiole aus Glas, eingefasst in einen Käfig aus Mithril. In ihr konnte man es im Licht der Feenfeuer blutrot schimmern sehen.
Seit der Verbannung ihres einen Sohnes - wie war noch sein Name gewesen? - hatte Laele sich geschworen, dass ein zweites Versagen dieser Art nicht vorkommen würde. Sie wollte selbst Einfluss nehmen, denn etwas weiteres dieser Art wäre ...entwürdigend. Ohne den Blick je von dem Krieger zu nehmen, öffnete sie die Phiole und setzte sie an die Lippen. Nur für einen winzigen Augenblick schloss sie die Augen, als ihr der Inhalt der Phiole die Kehle hinabrann. Der metallische Geschmack ließ sie leicht erschauern, aber gleichzeitig erfüllte er sie auch mit boshafter Gewissheit. Kein zweites Versagen und nun, endlich, war Zeit, die kommenden Stunden zum Genuss werden zu lassen.
Das leise Rascheln von nackter Haut auf Seide war Verlockung und Verheißung zugleich, als Laele die Seide von ihren Schultern gleiten ließ. Der Krieger, ihre Beute, war nun im Zentrum des Netzes. Befehlend oder bittend - es spielte keine Rolle - streckte sie die Hand nach ihm aus und lud ihn zu sich ein.

Morkeleb folgte ihr durch die langen dunklen Gänge der Festung. Mit jedem Schritt leichtfüßiger und doch klarer. Die Kühle Luft half ihm seine Sinne neu zu sammeln. Vor ihm schritt machtvoll und schön die Ilharess, in ihrer Nähe die allgegenwärtigen Wachen. Bald schon hatten sie ihre Gemächer erreicht und lautlos öffnete sich die große Türe. Er war nie zuvor hier gewesen. Stand und Rang, ja schon die bloße Tatsache das er ein Jaluk war verboten es ihm. Flüchtig dachte er an die beiden kel kyorl die er kennen gelernt hatte. Wie oft wohl mochten sie sich hier aufgehalten haben?
Der Raum vor ihm war mit unvergleichlichen Kostbarkeiten gefüllt. Schätze von mächtiger und uralter Bedeutung die ihm wohl immer verborgen bleiben würde, solange es die Herrin nicht anders wünschte. Das Zentrum bildete ein gewaltiger, mattschwarz schimmernder Tisch. Trotz seiner Größe wirkte er fast schlicht gegen den ihn umgebenden Prunk. Warum er dort stand und ob es nicht sogar einen ganz bestimmten Grund dafür gab, auch das war ihm unbekannt. Rings herum waren die Wände angefüllt mit weiteren Kostbarkeiten. Einige der Bücher meinte er sogar, trotz seines nur flüchtigen Blickes, zu erkennen. Doch war es kein klares Bild, nichts das er fassen konnte. Ebenso verhielt es sich mit vielen der großen Karten die ringsherum an den Wänden hingen.
Sein Blick fiel schnell auf die beiden ausgestellten Klingen, direkt neben einer blassweiß schimmernden Armbrust. Hatte die Ilharess diese Waffen je selbst geführt oder waren es nur Ausstellungsstücke die einfach ihren Gefallen gefunden hatten?
Als er ihr durch den Raum folgte spürte er den weichen Teppich unter seinen Fußsohlen. Er sah nach unten und seine, noch immer leicht berauschten, Sinne verloren sich sofort im verschlungenen Muster der farbigen Linien. Sein Kopf ruckte hoch und er brauchte einen kurzen Moment um sich wieder zu sammeln. Innerlich fluchte er über die Dummheit sich so berauscht zu haben, egal wie der Befehl gelautet hatte.
Als er sich wieder sicher umsehen konnte nahm er gerade noch wahr wie ihr Wink die Wachen und Diener hinausschickte. Er betrachtete sie, als die Ilharess sich abwand und in Richtung eines weiteren Raumes ging. War das hier sie? Oder war es nur ein weiterer Faden im Netz? Eine Laune? Vielleicht sogar hatte es ihr gefallen diese Räumlichkeiten extra für diesen Tag so zu gestalten. Ein wenig weiß blitze im Dunkel auf als er lächelte. Das war der Vorteil einfacher sargtlin zu sein. Nichts hier war wirklich von Bedeutung, denn nichts hier, außer ihr selber, bestimmte sein weiteres Schicksal.

Mit einem Lächeln winkte sie ihn ihr zu folgen. Sie in den anderen Raum zu begleiten. Dort warteten neue Wunder, neue Pracht auf ihn. Ein fein gearbeitetes Spinnenetz bedeckte den Boden und um ihn herum schien sich der gespiegelte Raum in der Unendlichkeit zu verlieren. Wieder verfluchte er innerlich den Wein und er sah zur Decke. Sein Atem stockte als er in das chaotische Gewirr der Leiber dort blickte. Es war unmöglich sich dem Gefühl von Ehrfurcht zu widersetzen das dieses Bild von Abertausenden Dienerinnen der Göttin hervorrief. In seinem umnebelten Geist schienen sich im schwarz glänzenden Schwarm der Leiber flüchtig Bilder zusammenzufügen und zu zerfließen. Bilder die Geschichten erzählten wie die Säulen die das Mosaiknetz hielten.
Als er den Blick senkte saß die Ilharess bereits auf ihrer Schlafstatt. Dunkel hob sich ihre Gestalt von den Mustern um sie ab, und nur ihr weißes Haar glitzerte im Licht der Feenfeuer. Obwohl dieser Ort sich so sehr von der großen Halle unterschied war sie hier nicht weniger Herrscherin als auf ihrem Thron. Ihr Blick ruhte auf ihm. Abschätzend, betrachtend doch auch... interessiert? In ihrer schlanken Hand hielt sie eine Phiole deren blutrot schimmernden Inhalt sie alsbald trank. Für diesen kurzen Augenblick, als die Flüssigkeit ihre Kehle benetzte, schlossen sich ihre Augen und ein Schauer schien sie zu durchlaufen. Wieder ein Plan so schien es, wieder etwas das ihn nichts bedeuten sollte.
Schließlich richtet sich ihr Blick wieder auf ihn und mit einer eleganten, fast sanft wirkenden Bewegung streifte sie kurz über ihre Schultern. Das dünne Seidenkleid fiel zu Boden und gab ihren Körper nun ganz seinen Blicken preis. Wieder hob sie eine Hand und lud ihn zu sich ein. Nur einen Moment später lagen seine einfachen Kleidungsstücke neben ihrem am Boden. Lächelnd und mit in der Dunkelheit auflodernden Augen trat er zu ihr.

Der Dolch in der Hand der Hohepriesterin hatte am heutigen Abend schon mehrere leichte Schnitte in die tanzenden Leiber geritzt. Halb schwebend, den Boden kaum beruehrend, glitt Xemaris ueber die Tanzflaeche. Stets im perfekten Einklang mit der Musik drehte sie sich, umtanzte die anderen Drow, die ihr voller Demut Raum gaben. Ihre Bewegungen waren anmutig, elegant und weich, unterstrichen die sphaerischen Klaenge; die Figuren, welche Xemaris tanzte, schienen den Toenen der glaesernen Instrumente Form zu geben.

Noch immer war keine der Tanzenden besonders hervorgetreten, war alles ein einzelnes, chaotisch fliessendes Netz, in dessen Mitte eine junge Spinne an ihren Faeden zog, doch keine Beute gemacht hatte. Die Tochter der Ilharess hatte sehr wohl bemerkt, dass ihre Mutter im Begriff war, den Saal zu verlassen und ihr, Xemaris, die Macht zu lassen - fuer eine Stunde, vielleicht zwei haette sie die uneingeschraenkte Gewalt ueber jeden Koerper und jede Seele des Hauses Despana. Ihre Augen leuchteten im Dunkel; sie wuerde jede einzelne Sekunden, geniessen, ihre Herrschaft auskosten. Doch erst musste Laele den Saal verlassen haben.

Im Augenwinkel nahm sie das blitzen von Zaehnen wahr. War es das, worauf sie gewartet, was sie gesucht hatte? Ihre Schritte brachten sie naeher an die Stelle heran. Ein Drow tanzte dort, fuer sich, fuer die Goettin, ohne Notiz von den anderen zu nehmen. Xemaris erkannte, dass er in Trance war, so, wie die meisten anderen hier. Sein Gesicht war makellos, die langen Haare flossen sanft ueber seine Schultern. Der Koerper, in einen halbdurchsichtigen, schwarzen Umhang gehuellt, war stark und jeder seiner Muskeln wohl ausgebildet. Sie erkannte ihn. Er war ein Diener der Musiker, zustaendig fuer die Pflege ihrer Instrumente. Der Tanz fuehrte Xemaris weiter in seine Naehe, doch noch immer in genuegendem Abstand, um niemand Gewissheit zu verschaffen. Myr'ez war sein Name, schoss es ihr durch den Kopf. Geboren ohne Stand und doch wuerde er auf die Art sterben, welche fuer die Drow Heilig und ersehnt war.

Noch war es nicht soweit und Xemaris liess sich wieder von der Menge treiben und von der Musik mitreissen. Jetzt konnte sie in dem Tanz, der in sich selbst eine Huldigung der Goettin Lloth war, aufgehen. Jetzt, wo das Opfer gewaehlt war.

Wenigstens eine Stunde war vergangen, seit Xemaris das Opfer ausgewählt hatte. Sie hatte sich gezügelt, war fort von ihm getanzt, hatte sich an der Musik wie an Aphrodisiaka gelabt. Die Klinge ihres Dolches war schon jetzt vom Blut dunkel gefärbt und viele der Tänzerinnen und Tänzer hatten Schnittwunden, so fein, daß sie selbst diese nicht bemerkten. Noch nicht, denn morgen würden die Haardünnen Schnitte schmerzen und jede einzelne daran erinnern, ihren eigenen Dienst an der Göttin zu vollziehen; um ihr zu huldigen, ihr zu danken.
Die Hohepriesterin legte die Arme eng um ihre Brust, die Einleitung zu einer neuerlichen Drehung um sich selbst. Mit geschlossenen Augen vollführte sie diese, um die Bewegung in einem anmutigen Sprung enden zu lassen. Weiter tanzte sie, nahm keine Rücksicht auf die anderen Tänzerinnen. Xemaris spürte, daß es nun an der Zeit war. Lloth verlangte danach und ihre Dienerin zögerte nicht.
Ihr Blick suchte ihre Priesterinnen. Nach nur wenigen Sekunden waren alle verständigt und bewegten sich auf den tanzenden Diener zu.
Besonderes Augenmerk hatte sie auf Elvanshalee und die zur Tempeldienerin degradierte Xuna'ay gelegt. Jede Bewegung der beiden wurde genauestens beobachtet und jeder noch so kleine Fehler würde bemerkt werden.
Xemaris umrundete in einem geschmeidigen Tanz den Erwählten, um direkt vor ihm inne zu halten und ihm in die Augen zu sehen.

Den Blick der Yathtallar fing Elvanshalee sofort auf. Es war soweit, das Opfer ausgewählt. Blut sollte fliessen. Eine Dienerin brachte der jungen Yathrin eine kleine, mit Menschenhaut bezogene Trommel, kaum so gross wie ihre Hand. Mit dem Instrument zwischen Daumen und Zeigefinger erhob sie sich ruhig, schritt mit anmutigen, würdevollen Bewegungen auf den Tänzer zu und trommelte mit drei Fingern einen seltsamen, chaotischen und doch perfekten Takt auf die Haut, leise, eindringlich und dunkel. Sie schritt einmal um Tänzer und Yathtallar herum, verbeugte sich tief vor Xemaris, hängte die Trommel an ihren Gürtel und trat dicht hinter den Tänzer. Ganz leise sang sie das Lied des Blutes, hob die rechte Hand, umfing das Kinn des Mannes und stiess es beinahe sanft, aber unerbittlich nach oben.

Auch Xuna´ay, langsam wieder zu sich gekommen, fing den Blick der Yathtallar sofort auf. Erstmals seit langer langer Zeit fühlte sie sich einigermassen konzentriert und ... tja ... am richtigen Fleck ...!
Mit geschmeidigen Bewegungen glitt sie auf das Opfer zu, umtanzt es in chaotischen und doch grazilen Schrittfolgen. Wob ein Netz aus Tanzschritten um das Opfer. Ganz und gar ergab sie sich dem Rausch, ihre Probleme konnten warten, sie würde später mit der Yathtallar darüber sprechen, jetzt galt es Lolth diesen ausgewählten Drow zu Opfern.
Leise stimmte sie Summend eine Mellodie.. oder war es nur eine Chaotische folge von Tönen.. an.
Für diesen Augenblick vergass sie alles, jetzt zählte nur noch Lolth und das Opfer an sie.

Xemaris sah in die Augen des vor ihr knienden Dieners - und ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Sein Kopf war von Elvanshalee an den Haaren nach hinten gezogen und Xuna´ays Gesang sorgte dafür, daß seine Sinne ein wenig umnebelt waren. Die Hohepriesterin Lloths ging einen Schritt auf ihn zu, stand genau vor ihm. Mit der leeren linken Hand strich sie mit ihren schwarzen, spitzgefeilten Nägeln über seinen Hals.
Leise, dennoch schneidend und für jeden deutlich hörbar sagte sie:
"Usstan keffal thuulstra wun dosst solen, or´ellg del orthae Lloth"
"Ich sehe die Erwartung des nahenden Todes in Deinen Augen, Opfer der heiligen Lloth!"

Beide Arme streckte sie von sich, die Feenfeuer um ihre Gelenke erloschen. Lauter sprach sie nun, die Musik im Einklang mit ihren Worten, als wären die Musiker von einem Zauber erfasst worden und von jemand gelenkt würden. Das Tanzen hörte auf und die Anwesenden sanken auf die Knie, sahen gebannt der Szene zu - und einigen war anzusehen, daß sie ihn beneideten, war ihm doch die Ehre zuteil, für die Göttin zu sterben. Mit einer schnellen Bewegung ließ sie die Klinge herabsausen, durchtrennte seine Kehle mit einem sauberen Schritt. Sie befestigte den Opferdolch an ihrem Gürtel, während das Blut floß. Dann bildete sie mit beiden Händen eine Mulde und ließ das warme Naß hineinlaufen.

"Whol dosst ib´ahalii, orthae lloth, l´vlos d´uss d´dosst dalharen."
"Für Deinen Ruhm, heilige Lloth, das Blut eines Deiner Kinder."

Fanatisch riefen die Drow Lobpreisungen auf ihre Göttin aus. Ihre Göttin, die für sie alles bedeutete und für die sie stets bereit zu sterben waren...
Als Laele am nächsten Morgen erwachte, umspielte ein leichtes, zufriedenes Lächeln ihre Lippen. Sie spürte die Körperwärme ihrer neuesten Errungenschaft, ihres neuesten Spielzeuges nahe neben sich. Tagelang konnte man sich mit ihm vergnügen und doch hatte er es fertiggebracht, sie noch nicht zu langweilen. Herrlich... .
Mit einem leisen, wohligen Seufzer richtete sie sich halb auf. Einen Augenblick lang genoß sie das Gefühl von Seide auf ihrer nackten Haut, dann griff sie nach ihrer Robe neben dem Bett, streifte sie sich über und stand auf.
Kritisch blickte sie auf ihre Spiegelbilder, strich die Robe an ihrem Körper glatt und musste unwillkürlich lächeln. Perfekt. Und doch...
Laeles Lächeln verschwand so plötzlich wieder wie es gekommen war. Sie wusste, dass sich das bald ändern würde. Bald würde ihr Leib aufgedunsen sein und sie würde träge und schwerfällig werden. Der Gedanke versetzte sie in Zorn. Einzig die Tatsache, dass diesmal sie allein es war, die dies alles gelenkt hatte, hielt sie davon ab, ihrer Wut irgendwie freien Lauf zu lassen.
Herrisch klatschte sie in die Hände, um ihre Dienerinnen zu rufen. Fast augenblicklich schlug die Tür zu ihren Gemächern auf und zwei der Dienerinnen huschten geduckt herein.
Kurz warf Laele einen Blick zu Morkeleb, ihrem neuen Spielzeug, dem Ilharn d´Despana. Belustigung funkelte kurz in ihren Augen, dann plötzlich Strenge. Er mochte viele Fähigkeiten besitzen, aber die, zu herrschen und zu befehlen war nicht darunter. Noch nicht.
Laele hob die Hand und besah sich ihre perfekt manikürten Fingernägel.
"Morkeleb", sagte sie beiläufig, als wären ihre Worte unwichtig und ohne Belang, "ich schenke dir diese beiden hier. Sie sollen dir dienen. Zudem habe ich Hunger... sorge dafür, dass sie uns bringen, was ich will."
Lag da ein feiner Unterton von Härte und Schärfe in den so sanft und beiläufig ausgesprochenen Worten? Etwas jedenfalls sorgte dafür, dass man sich unwohl fühlte. Die beiden Dienerinnen, schon jahrelang in den Diensten der Ilharess d´Despana, wirkten plötzlich unruhig, hielten sich aber zu gut im Zaum, als dass ihre Unruhe wirklich gestört hätte. Laeles Blick, rot und lauernd, lag plötzlich auf Morkeleb. Egal, was er nun tun würde, wie er nun auch immer handeln würde, es würde ihr Vergnügen bereiten - auf die eine oder die andere Art.

Morkeleb war schon eine Weile wach und betrachtete den Körper neben sich in ihrem Schlaf. Sie zu stören wäre niemals in Frage gekommen, auch wenn er sie in einer so anderen Weise kennen gelernt hatte als bisher. Seine Augen glitten über die Siluette ihres Körpers und noch während er ihre makellose Schönheit bewunderte fragte er sich gleichzeitig welche Pläne sie wohl mit ihm hatte.
Dann, mit einem kurzen zittern der Augenlieder, erwachte sie. Nur kurz nur konnte er das Lächeln auf ihren Lippen sehen, ein Lächeln das ihm verhiess, das sein Leben jetzt noch nicht enden würde. Dann stand sie langsam auf und legte ihre scharze Seidenrobe um. Er folgte ihren Blicken über ihren Körper und nahm ihren Stimmungsumschwung war. Einen kurzen Moment schien etwas nicht richtig zu sein, doch dann entspannte sie sich ein wenig. In einer fliessenden Bewegung stand er auf, sorgfältig darauf achtend nicht ihn ihr wieder und wieder gespiegeltes Sichtfeld zu treten. Einen kurzen Moment bedauerte er seine Kleidung so weit weg abgestreift zu haben, doch was konnte er vor ihr schon verbergen? Körper und Geist waren ihr Besitz, wie alles von dem sie es wollte.
Ein leises, aber bestimmtes Klatschen lies zwei Dienerinnen hereinhuschen. Doch statt ihnen Befehle zu geben schenkte sie sie ihm und überliess es ihm zu sprechen. Er spührte die Unruhe der Dienerinnen und der Blick seiner Ilharess, der nun auf ihm ruhte, verhiess eine weitere Prüfung.
Natürlich war sie sich nur zu gut bewusst, wie wenig er davon wissen konnte wie ihre Vorlieben waren. Er war Krieger und so weit von ihr entfernt wie es nur sein konnte. Kurz streifte sein Blick die beiden Dienerinnen, dann erwiderte er den Blick seiner Herrin wieder und sprach leise, respektvoll und doch sicherer als bissher:
"Orthae Ilharess ich danke euch für euer überaus großzügiges Geschenk."
Ohne seinen Blick von ihrem abzuwenden verbeugte er sich leicht.
"Ich bin mir sicher sie werden in Kürze für eine, euren Ansprüchen genügende, Mahlzeit sorgen. Wir hoffen Den´aruar, Schnkask Pastete, leicht geräucherten D´urka, Gr´tarurl Filet und Lorienar Gebäck werden euren Hunger stillen und Pyer und Queltar euren Durst stillen."
Bewusst hatte er leichte Speisen gewählt, Fisch sowie Fleisch, Beilagen und Gebäck. Alles waren Speisen die sowohl zu früher Stunde als auch zum Mittagsmahl gerne gewählt wurden und ihre Zutaten waren sowohl aus dem Unterreich als auch der Oberwelt. Zweierlei hatten sie jedoch alle gemeinsam: ihre Zubereitung würde die Köche vor eine Probe ihres Könnens stellen und ihre Zutaten waren von höchster Güte. Die beiden Weine waren sehr unterschiedlich, einer süß, einer herb, so das zu jedem Gericht der passende Tropfen vorhanden war. Dennoch waren beide Geschmäcker ein sanfter Kitzel für die Geschmacksnerven und enthielten nur geringere Mengen Alkohol, so daß sie jederzeit in Ruhe zu genießen waren.
Ein leichter Wink liess die Dienerinnen loshuschen um die, ihnen blicklos erteile, Aufgabe zu erfüllen.
"mir!" Zischte er leise als sie die Tür schon fast erreicht hatten.
"Und bereitet das Bad der Ilharess vor....Feuermoos- und Yiinaröl..." Mit einem weiteren Wink entließ er die beiden jungen Frauen.
Die Türen schlossen sich wieder und es wurde still im Raum. Nur das leise Rascheln von der Decke war zu hören. Ruhig, den Blick noch immer auf sie gerichtet, wartete er die reaktion der Ilharess ab.

Laeles lauernder Blick, der die ganze Zeit über auf dem Krieger geruht hatte, wurde eine Spur sanfter, als die Dienerinnen den Raum verlassen hatten. Sanfter wurde ihr Blick und er glitt über den Körper des Kriegers vor ihr. Wie sanft konnte der Blick der Ilharess Laele sein? Er erinnerte an Samt auf Stahl, Seide auf einer scharfen Klinge. Darunter lag eine Härte und Schärfe, die einen frösteln ließ.
Sie wandte sich von ihm ab und ließ sich auf einem der schlanken, reichverzierten Stühle nieder, die zwischen den Säulen an der Wand standen. Als wäre nichts weiter geschehen, griff sie nach einer goldenen Spange auf dem Tisch.

Die Spange war kostbar, wie alles hier, in ihren Gemächern kostbar war. Sie schien aus purem Gold gemacht. Das weiche Metall wies dennoch keinerlei Bearbeitungsspuren, keinen einzigen Makel auf. Perfekt war die Spange zu einer Spinne geformt worden. Beinahe sah es aus, als sei ein lebendiges Vorbild einfach in Gold gegossen worden und dann erstarrt. Alles stimmte: die zierlichen Beine, die feine Maserung auf dem Rücken und Bauch der Spinne, die Augen, sogar feinste Härchen auf ihrem Leib.
Laele wog die Spange in ihrer flachen Hand. Im Licht der Feenfeuer schimmerte sie geheimnisvoll. Wenn man sich nicht genau auf die Spange konzentrierte, konnte man meinen, dass sie lebte und sich bewegte, so echt sah sie aus.

"Komm her, Morkeleb", flüsterte Laele. Ihr Flüstern wurde begleitet von einem leisesn Rascheln und Raunen von der Decke her, als gäben die Spinnen ihr Antwort.
"Ich habe dich zu meinem Ilharn erhoben, Morkeleb. Jederzeit kann ich das Blatt wenden. Du solltest versuchen, mir zu gefallen. Wenn du mir gefällst, gebe ich dir dafür alles, was du begehrst: Macht, Luxus..."
Laele ließ den Satz unvollendet und ihre vollen, wohlgeformten Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
"Was ist zum Beispiel mit jener Tempeldienerin, die früher Priesterin war? Wäre es nicht verlockend, Macht über sie zu haben, Morkeleb?" Laeles Stimme klang warm und verführerisch, ihr Lächeln hatte etwas verheißungsvolles. Leicht beugte sie sich vor und die Seide auf ihrer Haut raschelte leise.
"Möchtest du teilhaben an der Macht, Morkeleb? Oder möchtest du irgendwann in Nichtigkeit vergehen?"
Der letzte Satz klang plötzlich schneiden und scharf. Vorbei war die Illusion von Wärme und Sanftheit. Mit einem Schlag war sie weggewischt und unter Samt und Seide wurden Stahl und Schärfe sichtbar.

Morkelebs Blick ruhte noch immer auf ihr. Immer mehr lernte er über ihr Verhalten, immer mehr musste er lernen, wenn er leben wollte. Sie zeigte keinen Moment Schwäche, was immer sie tat geschah voller Selbstsicherheit. Kein Zweifel, kein wirkliches Zögern, nur pure, geballte Macht und das Wissen um diese.
Als sie sich setzte fiel sein Blick auf die Spinnenspange. Kostbar, wie hätte es anders sein können. Ein kurzes Kribbeln in seinem Nacken weckte Erinnerungen.
Sie rief ihn zu sich und er trat leise an sie heran. Ihren geflüsterten Worten lauschend kniete er vor ihr nieder. Doch diesmal senkte er den Blick nicht. Er wusste um ihre Macht und seine Körperhaltung lies keinen Zweifel an seiner Demut.
"Orthae Ilharess, was ich begehre habt ihr mir schon gewährt. Welche größere Gunst könnte ich anstreben als Euch zu dienen? Was bedeutet die Macht über eine Gefallene Priesterin im Vergleich dazu? *er schweigt einen kurzen Moment* Ich werde Euch an der Stelle dienen an der Ihr mich einsetzt. Ich werde über die gebieten die ihr mir unterstellt und ich werde denen dienen von denen ihr es wünscht. Solange Ihr es wollt werde ich an Eurer Seite an Eurer Macht teilhaben, Euch dienen und Eure Macht stärken und mehren so gut ich es vermag."