Der Sturm peitschte über die Halbinsel nördlich von Skara Brae. Die dürren Büsche und verkrüppelten Bäume bogen sich unter der Last von Wind und Regen und der Sturm tobte über dem Meer. Immer wieder zuckten vielarmige Blitze über den Himmel und Regen und Donner gaben ein ohrenbetäubendes Konzert.

Ein einsamer Wanderer eilte gebeugt einen schmalen Pfad entlang und seufzte vor Erleichterung, als er eine Burg in der Dunkelheit aufragen sah.


In den schwarzen Schießscharten und Fensterhöhlen brannte kein Licht, die Feste sah leer und verlassen aus. Hektisch pochte der Wanderer an das schwere Tor, um endlich Schutz vor dem Sturm zu finden.

Zu seiner Überraschung gab das Tor bei den ersten Schlägen nach und schwang ihm quietschend entgegen. Überrascht wich er einen Schritt zurück und blickte in den finsteren Gang dahinter. Nichts darin rührte sich, aber hinter dem Wanderer tobte der Sturm. Er schluckte, nahm sich dann aber ein Herz und trat ein. Hastig zog er das Tor wieder hinter sich, als der Sturm Regen in den Toreingang trieb.

Hier drinnen war es im Vergleich zu draußen unheimlich still. Nur entfernt heulte der Wind um die Feste und ab und zu war das Donnergrollen zu hören wie ein weit entfernter Schmiedehammer auf dem Amboß.

Behutsam tastete der Wanderer nach Fackeln oder Fackelhalterungen, aber seine Hände fanden in der Finsternis nichts. Leise fluchend zog er eine kleine Laterne aus seinem Rucksack und bemühte sich, trotz der Dunkelheit ihr kleines Licht zum Brennen zu bringen.
Der flackernde Feuerschein schien die Dunkelheit außerhalb des kleinen Lichtkreises nur zu verdichten, aber er spendete ihm Trost und die Illusion von ein wenig Wärme. Vorsichtig ging er weiter den Gang hinunter. Das Licht beleuchtete seltsame Runen an den Wänden und dem Boden - Magie war in ihnen zu spüren, aber sie schien verblasst und kraftlos. Dennoch beschlich den Mann ein ungutes Gefühl, fast, als wüsste er, dass die Runen nichts gutes bedeuteten. Er schauderte und ging hastig weiter.

Langsam stieg er eine steinerne Treppe empor und zog überrascht den Atem ein, als er den Saal vor sich erblickte. Der Wind hatte schon einige Blätter und Regen in den Raum geweht, aber dennoch haftete ihm eine Aura von tiefer Bosheit und Furcht an. Was aber am meisten die Blicke des verängstigten Mannes auf sich zog, war der obsidianene Thron am Kopf des Saales. Der schwarze Stein, aus dem er scheinbar in einem Stück gehauen war, schimmerte matt und schien über und über mit den Runen überzogen, die auch die Wände und den Boden auf dem Weg hierher geziert hatten.

 

Angstvoll blickte der Mann sich um - wer auch immer diese Feste einst bewohnt hatte: von den Tugenden war hier nichts zu spüren sondern nur der Abglanz einer dumpfen, brütenden Bosheit.
Ein leises Flüstern tönte im Kopf des Mannes, wie leises Locken, ein Ruf, der Macht und Ruhm verhieß. Verwirrt schüttelte er den Kopf und blinzelte. War das nur der Wind gewesen? Misstrauisch blickte er auf den Thron.
Plötzlich schoss ihm ein Bild durch den Kopf, wie Erinnerung und doch völlig neu: Das Bild eines Buches, dessen Seiten brannten.

Eine schlanke Hand, ebenholzfarben und mit kostbaren Ringen verziert, griff nach dem Buch und schlug es auf. Das Frohlocken hallte durch den Kopf des Wanderers und er zitterte. Er ahnte, nein er wusste, dass das Buch nicht aufgeschlagen werden durfte und doch sehnte er sich danach, selbst danach zu greifen und seine Macht in sich aufzunehmen.... .
Das Bild änderte sich mit einem Male, zeigte eine bizarre Szene einer Höhle mit einem kleinen Teich in der Mitte. Die Farben des Bildes waren seltsam verzerrt, als würde kein echtes Licht in die Höhle fallen aber als würde er dennoch auf eine merkwürdige Art und Weise die Szene erkennen können, fast, als sähe er statt Licht die Wärme und Kälte der Wände. Schlanke Gestalten, anmutig und elegant gingen in der Höhle auf und ab und sie sprachen leise miteinander.

Eine von ihnen trug eine Schatulle mit sich, die mit düsteren Runen verziert war. In ihr, das wusste der Wanderer, lag das brennende Buch und rief. Rief nach ihm und er wollte folgen. Er ahnte, wie weit diese Szene von ihm fort war, unter dutzenden und hunderten Tonnen von Stein, entfernt und weit ausserhalb seiner Reichweite, aber er wollte folgen, um jeden Preis.

Mit einem leisen Seufzen brach der Wanderer inmitten des Saales in die Knie. Sein Herz flatterte wie ein ängstlicher Vogel und noch während seine Augen langsam brachen, sah er die seltsamen, merkwürdigen Bilder wie ein sinnloses Kaleidoskop von Ereignissen an sich vorbeiziehen.





Nur einen Augenschlag später war er tot. Zum Thron hin ausgestreckt lag er da und fast sah es aus, als würde seine Hand etwas schweres halten wollen, eine kleine Truhe vielleicht oder ein Buch.